Die Häme im Netz war groß: Für eine Woche lang mussten sich Packers-Fans nach der blamablen 14:35-Klatsche gegen die Atlanta Falcons Hohn und Spott aus dem NFL-Kosmos gefallen lassen. Leider zurecht. Der Heimauftakt warf allerlei Fragen auf, die eigentlich nur einen Schluss zuließen: Mit dem Kampf um den Super Bowl haben die Green Bay Packers in ihrer aktuellen Form rein gar nichts zu tun. Allen voran die historisch schlechte (!) Offensive Line dürften vielen Fans schlaflose Nächte bereitet haben. Das hat augenscheinlich auch General Manager Brian Gutekunst eingesehen und gleich dreifach auf dem Markt zugeschlagen. Kevin Zeitler, Mekhi Becton und Laken Tomlinson sollen mit ihrer Erfahrung die wackelige O-Line stabilisieren.
Embed from Getty ImagesSind sie die erhofften Heilsbringer? Womöglich kann das Gastspiel bei den ebenfalls strauchelnden Tampa Bay Buccaneers erste Antworten liefern.
Auf einen Blick
- Wann? Sonntag, 4. Oktober, 19 Uhr
- Wo? Raymond James Stadium, Tampa
- Sender/Kommentatoren US-Feed: Fox Sports, Chris Myers und Jonathan Vilma
- Sender/Kommentatoren Deutschland: Konferenz bei Sky Sport, Gamepass by DAZN
Die bisherige Saison der Buccaneers
Puh, es gibt wohl aktuell gar nicht mal so viele Fanlager, dessen Enttäuschung nach den ersten drei Wochen größer ist als bei den Packers. Aber: Wenn es welche gibt, dann dürften die Buccaneers definitiv dabei sein. Den Start haben die Jungs aus Florida richtig vergeigt, stehen nach Niederlagen gegen die Bengals (27:33), Browns (19:23) und Vikings (16:23) 0:3 und mit dem Rücken zur Wand. Besonders die Offense, die in Vorjahren unter Baker Mayfield verlässlich Punkte aufs Scoreboard brachte, wirkt zahnlos. Zu allem Überfluss hat sich der Quarterback spät im Spiel gegen die Vikings am Daumen seiner Wurfhand verletzt. Er wird gegen Green Bay von der Sideline aus zusehen müssen. Für Mayfield übernimmt der Rookie Jalon Daniels, der im Sommer den Job als Backup eroberte. Es ist sein erster NFL-Start.
Stärken des Gegners
Ein gutes Waffenarsenal stellen die Buccaneers ihrem unerfahrenen Playmaker jedenfalls zur Verfügung. Im Passing Game dürfte es auf den ehemaligen First-Round-Receiver Emeka Egbuka ankommen, auch Chris Godwin ist eine verlässliche Anspielstation. Nicht zu vergessen: Das Backfield um Running Back Bucky Irving. Um es Daniels so einfach wie möglich zu machen, braucht es ein verlässliches Laufspiel. In seinen bisherigen 40 Versuchen hat Irving 180 Yards und ein Touchdown erlaufen, am Sonntag dürften einige weitere Carries auf den 24-Jährigen warten. Dieser kann zudem auch als Passempfänger aus dem Backfield gefährlich werden. Auf der anderen Seite des Balles ist besonders die D-Line der Bucs herauszuheben. Die Unit um Defensive Tackle Vita Vea hat das Laufspiel ihrer Gegner bisher gut im Griff gehabt.
Schwächen des Gegners
Bereits Mayfield hatte in den ersten drei Wochen große Probleme, die Offense kontinuierlich übers Feld zu führen. Dass nun mit Daniels, der ungedraftet als Free Agent von den Buccaneers verpflichtet wurde, das Ruder bei den Freibeutern herumreißen kann, darf zurecht bezweifelt werden.
Key Matchups
Pass Rush gegen Jalon Daniels
Um den jungen und unerfahrenen Quarterback frühzeitig zu stressen, brauchen die Packers wieder ihren verlässlichen Pass Rush. Bringen der bis jetzt herausstechende Lukas van Ness und seine D-Line-Kollegen verlässlich Druck auf Daniels, dürfte dieser zu Fehlern neigen. Das wäre potenziell gefundenes Fressen für die Safety Xavier McKinney und sein Positionskollege Evan Williams. Damit das aufgeht, muss anders als noch gegen die Falcons das Laufspiel bei First Down in Schach gehalten werden. Die Bucs-Offense in lange Second- und Third-Down-Situationen zu bringen, ist auf der defensiven Seite des Balles der Schlüssel zum Erfolg.
Was sonst: Offensive Line gegen die Buccaneers-Front
Es ist die alte Leier. In all den bunten Statistiken, die die NFL zu bieten hat, sticht die Offensive Line der Packers heraus – und das im negativen Sinne. Das Laufspiel ist bis dato nicht existent, freie Räume für MarShawn Lloyd oder Kaleb Johnson sind nicht nur Mangelware, sondern quasi nicht vorhanden. Dazu bekam QB Jordan Love bisher keine Zeit in der Pocket. 59 Pressures wurden in den ersten drei Wochen gezählt. Geht das so weiter würden es zum Saisonende 334 sein. Zum Vergleich: Gegen keinen Quarterback gab in einer Spielzeit mehr als 290 Mal Pressures. Wie gesagt: Abhilfe schaffen sollen Zeitler, Becton und Tomlinson. Das Trio signalisierte unter der Woche, dass es bereit ist, um Love schon in Tampa Bay die nötige Zeit in der Pocket zu verschaffen. Gelingt ihnen das und sollte endlich das Laufspiel wiederbelebt werden, könnte die Offense erstmals rund aussehen. Bis dato wurden die Packers nur über Big Plays von Christian Watson und Matthew Golden gefährlich. Man stelle sich vor, Love wird nicht bereits binnen kürzester Zeit von der D-Line umgemetert – dann könnte er seine beiden vielversprechend aussehenden Playmaker konstanter in Szene setzen.
Es kann nach dem Horror-Auftritt gegen die Falcons eigentlich nur besser werden. Der Optimismus ist nach den Verpflichtungen für die O-Line ein Stück weit zurück in Titletown. Nun liegt es an den Packers, dass die Cheeseheads rund um den Globus die Saison nicht schon abschreiben bevor sie überhaupt beginnt. Ein Sieg in Tampa Bay könnte der verspätete Startschuss Richtung Playoff-Qualifikation sein. Passiert das gegen die arg geschwächten Bucs nicht, wird der Trainerstuhl für Head Coach Matt LaFleur heiß.
Mein Tipp: 27:13 Packers
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