Fünf Fumbles, 133 Strafyards, ein Sieg – Review Week 2 Packers at Jets

Es gibt Siege, die man feiert, und Siege, über die man lieber schnell hinweg geht. Das 20:17 bei den Jets gehört zur zweiten Sorte. Fast 50 Minuten lang spielte Green Bay wie ein Team, das den 0-2-Start unbedingt haben wollte: fünf Fumbles, sechs Punts und 133 Straf-Yards. Die fünf Holdings mag man noch einer überforderten Offensive Line zuschreiben. Für die 47 Yards aus Unsportsmanlike Conduct, Personal Fouls, False Start, Illegal Formation und Neutral Zone Infraction gibt es dagegen keine Ausrede, nur mangelnde Disziplin. Und die ist ein Problem, das Packers-Fans leider nur zu gut kennen. Gerettet haben die Packers eine Defense, die in den entscheidenden Momenten stand, Special Teams, die das Feld kippten, und ein Gegner, der sich mit 156 Straf-Yards noch mehr Mühe gab, das Spiel herzuschenken.

Auf einen Blick

  • Früher Schock: Jayden Reed und Zach Bako-Bewele schon im ersten Drive verletzt raus
  • Lukas Van Ness mit 9 Tackles und 1,5 Sacks – Breakout incoming?
  • O-Line weiterhin Problemzone Nr. 1
  • Defense auch ohne Parsons mit Biss – das lässt hoffen
  • Skyy Moore mit 208 Return Yards – wir haben einen Returner!
  • 133 Straf-Yards, 47 davon aus reiner Disziplinlosigkeit – das darf so nicht weitergehen

Die Ausfälle beider Teams

Personell gingen die Packers bereits geschwächt ins Spiel. Schwer wogen vor allem die Ausfälle von Javon Hargrave, der das Concussion Protocol nicht rechtzeitig verlassen konnte, und Benjamin St-Juste, der mit Hamstring-Problemen nach dem Warm-up passen musste. Gerade St-Juste fehlt in einem Cornerback-Room, der ohnehin als Sorgenkind gilt. Außerdem inaktiv waren DT Warren Brinson sowie die Offensive Linemen John Williams und Travis Glover. Auf Seiten der Jets fehlten mit Safety Minkah Fitzpatrick und Edge Joseph Ossai zwei Stammkräfte, dazu Rookie-CB D’Angelo Ponds, RB Kene Nwangwu, LB Trevin Wallace und K Blake Grupe. Immerhin gab es auch gute Nachrichten: Aaron Banks, in Minneapolis noch ausgefallen, kehrte zurück, und auch Zach Bako-Bewele stand in der Startformation. Die Freude darüber sollte keine 80 Sekunden Spielzeit halten.

Ein Start zum Vergessen

Schlimmer hätte der Auftakt kaum laufen können. Im ersten Snap brachte David Bailey Jordan Love zu Boden. Im zweiten fing Jayden Reed einen kurzen Pass und blieb verletzt liegen. Im dritten ging ein Pass auf Matthew Golden ins Leere, und Zach Bako-Bewele musste vom Feld. Drei Plays, ein Sack, zwei Verletzte, ein Punt. Die ersten Aussagen aus Wisconsin deuten darauf hin, dass zumindest Bako-Bewele länger ausfallen könnte.

Der einzige Lichtblick nach diesem ersten Drive war, dass die Jets von ihrer eigenen 5-Yard-Linie starten mussten. Aber auch diesen Feldvorteil verspielten die Packers umgehend: Eine Neutral Zone Infraction bei 3rd-and-4 und ein Unsportsmanlike Conduct nach einem eigentlich gestoppten dritten Versuch hielten den Drive am Leben, bis New York an der Mittellinie doch punten musste.

Ringen um Feldposition

Was folgte, war ein zähes Ringen um Feldposition, bei dem die Packers regelmäßig den Kürzeren zogen. Ein Holding an der eigenen 8 drückte die Offense bis an die 4 zurück, drei Plays brachten nichts ein, gepuntet wurde aus der eigenen Endzone. Die Jets waren kein Stück erfolgreicher, doch auch der nächste Drive von Green and Gold endete schon nach drei Plays, zwei davon unvollständige Pässe auf Christian Watson. Dass es nach dem ersten Viertel noch 0:0 stand, lag an einer Defense, die die Jets im Griff hatte (Lukas Van Ness mit dem ersten Sack des Tages), und an etwas Glück: Zweimal ließen die Jets einen Punt fallen, zweimal holten sie sich den Ball allerdings auch selbst zurück.

Lloyd bricht den Bann

Zu Beginn des zweiten Viertels fand die Offense erstmals einen Rhythmus. Kaleb Johnson und MarShawn Lloyd trugen den Ball, zwei Watson-Catches über 20 und 13 Yards sorgten für Raumgewinn. Nach neun Plays und 64 Yards fing Lloyd einen 6-Yard-Pass zur 7:0-Führung. Die Antwort der Jets kam prompt und mit freundlicher Unterstützung: Eine Pass Interference über 34 Yards brachte New York an die 21 der Packers, Braelon Allen lief kurz darauf zum 7:7 in die Endzone. Der nächste Packers-Drive gab einen Vorgeschmack auf den Nachmittag. Johnson fumbelte, Love rettete den Ball. Tucker Kraft fumbelte, Kraft rettete den Ball. Dann wurde gepuntet. Die Defense stoppte einen langen Drive der New Yorker dann aber noch rechtzeitig. Mit 7:7 ging es in die Kabine.

Selbstsabotage in Serie

Die zweite Halbzeit begann mit einem Drive, der den Tag der Packers in einer Sequenz zusammenfasste. Ein Personal Foul beim Punt stellte die Offense an die eigene 3. Eine Pass Interference der Jets brachte sie bis an die 37. Holding und False Start warfen sie auf 1st-and-25 zurück. Beim anschließenden Sack verlor Love den Ball, Jennings konnte sich darauf werfen. Am Ende stand ein 36-Yard-Punt. Die Jets dagegen marschierten, halfen sich mit einem Roughing the Passer bis an die 5 und erhöhten durch Garrett Wilson auf 7:14. Johnsons zweiter Fumble, wieder von Love gesichert, und ein weiterer Punt folgten. Als Geno Smith zum Viertelende bei 3rd-and-12 Breece Hall für 43 Yards fand, deutete alles auf eine Vorentscheidung hin.

Der Tiefpunkt

Die Defense verhinderte sie noch einmal. Smith fumbelte, sicherte den Ball aber selbst, Edgerrin Cooper legte einen Sack nach, und aus 2nd-and-3 wurde 4th-and-27. Skyy Moore ließ den Punt zunächst fallen, nahm ihn wieder auf und trug ihn bis an die 14. Im nächsten Play fumbelte Lloyd, diesmal sicherte Harrison Phillips den Ball für die Jets. Die Defense verhinderte im letzten Moment das Schlimmste und diesmal stimmte auch die Disziplin: Der Versuch, die Packers Defense bei 4th-and-1 ins Offside zu locken, scheiterte. Das Field Goal zum 7:17 fiel trotzdem, elf Minuten vor Schluss. Wer in diesem Moment abgeschaltet hat, dem sei verziehen – ich gebe offen zu: ich hatte hier schon keinerlei Hoffnung mehr.

Die Wende

Wer drangeblieben ist, wurde aber nun zumindest was Punkte angeht belohnt. Golden verwandelte ein 3rd-and-3 mit einem 18-Yard-Catch. Holding und Illegal Formation warfen die Offense zwar auf 1st-and-26 zurück, doch die Jets revanchierten sich mit einer Pass Interference über 38 Yards. Golden legte weitere 18 Yards nach, Love fand Watson aus drei Yards zum 14:17. Die Packers waren wieder im Spiel und – soviel sei schonmal verraten – hatten nun endlich auch die Strafen im Griff.

Nach dem nächsten Stopp der auch ohne Parsons bärenstarken Defense kam der Moment von Skyy Moore: 63 Yards Punt Return bis an die 19 der Jets. So schnell kann ein Spiel kippen, die Offense machte daraus allerdings nur drei Punkte. Trey Smack traf aus 34 Yards zum 17:17, gut drei Minuten vor dem Ende. Die Chance auf die Führung war damit vergeben, es drohte der Walk-off von New York.

Stopp bei 4th-and-1

Die Jets gingen voll auf Sieg, arbeiteten sich bis an die eigene 49 vor und hofften auf ein Field Goal. Doch die Defense der Packers hatte noch genug Power: die zwei fehlenden Yards für ein neues First Down konnten weder Breece Hall noch Braelon Allen erlaufen – Turnover on downs, Ballbesitz Green Bay bei 1:20 an der Mittellinie. Mehr als vier Yards brachte aber auch die Packers-Offense nicht zustande. Green Bay ließ die Uhr herunterlaufen, der letzte Versuch endete in einem Sack von Enagbare. Overtime.

Walk-off

In der Verlängerung setzte die Defense die Kirsche auf ihre Leistungs-Torte. Barryn Sorrell und Brandon Cisse teilten sich einen Sack, Van Ness legte nach, ein False Start tat sein Übriges: 3rd-and-30, Punt. Moore brachte den Ball an die eigene 34, und dann ging es schnell. Johnson, trotz dreier Fumbles weiter im Einsatz, lief für 11 und 3 Yards. Love fand Chris Brooks für 30 Yards, ein Personal Foul der Jets legte 15 obendrauf. Golden fing den Ball an der 8. Die Packers warteten nicht auf einen weiteren Versuch: Smack trat schon beim ersten Down an und verwandelte aus 26 Yards zum 20:17. An einem Tag mit fünf Fumbles war das die vielleicht klügste Entscheidung des ganzen Spiels.

Key Takeaways

Was bleibt von diesem Nachmittag? Erstens: Diese Defense ist deutlich weiter, als wir es ihr ohne Micah Parsons zugetraut hätten. Sie hat das Spiel mehrfach am Leben gehalten, nach Johnsons Fumble an der eigenen 14 nur ein Field Goal zugelassen und in der Overtime den Deckel draufgemacht. Und der Mann, der aus einer guten eine gefürchtete Defense machen soll, kommt erst noch zurück. Zweitens: Die Offense kann liefern, wenn Love Zeit bekommt. Das haben die Drives im Schlussviertel und in der Overtime gezeigt. Genau diese Zeit wird aber knapper, falls Bako-Bewele länger ausfällt. Eine ohnehin wackelige Line verliert dann ihren wohl besten Spieler. Hier muss Brian Gutekunst aktiv werden, erst recht, wenn die nächsten Wochen erfolgreich verlaufen und diese Saison mehr verspricht als ein Übergangsjahr. Drittens, und das wiegt am schwersten: 133 Strafyards und fünf Fumbles sind kein Pech, sondern ein Muster. Disziplin und Ballsicherheit sind Chefsache, und damit liegt der Ball jetzt bei Matt LaFleur. Er muss den Turnaround schaffen, bevor aus einem Problem, das wir kennen, eines wird, das die Saison kostet.

Ausblick

Die kommenden drei Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht. Schon am Donnerstag kommen die Falcons zum Home Opener ins Lambeau Field, und gegen diesen Gegner ist ein Sieg Pflicht. Danach geht es nach Tampa zu den Bucs, die sich zu Hause überraschend den Browns geschlagen geben mussten und erstmals seit 2014 mit 0-2 dastehen. In Week 5 empfangen die Packers dann die Bears, die um Caleb Williams bangen: Der Quarterback musste gegen die Vikings mit einer Hamstring-Verletzung vom Feld gefahren werden, wie schwer sie ist, ist noch offen. Übersteht Green Bay diesen Abschnitt mit einer positiven Bilanz, könnten danach Micah Parsons und womöglich auch Josh Jacobs ins Geschehen eingreifen. Dann reden wir über eine ganz andere Mannschaft.

Spieler des Spiels
Offense: Jordan Love
Defense: Lukas Van Ness

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