Was für ein wilder Ritt! Es brauchte einen Moment sich von diesem Spiel psychisch zu erholen. Mit 1:59 auf der Uhr stehen die Packers bei einer Siegwahrscheinlichkeit von 97.5% gemäss ESPN und von 99.5% gemäss Next Gen Stats. Sogar der vermasselte Onside-Kick bringt diese Wahrscheinlichkeit nur auf 86.9% runter. Aber die Packers denken sich, „Hold my Beeer“ wir schaffen das und geben den Sieg schon sicher geglaubten Sie aus den Händen.

Auf einen Blick
- Packers verlieren mit einem Rumpfteam, das im Verlauf des Spiels auch noch Jordan Love, Romeo Doubs, John FitzPatrick und Josh Jacobs verliert.
- Packers Defense spielt stark und hat die Bears über weite Strecken im Griff.
- Malik Willis bleibt ein hervorragender Backup.
- Packers Special Teams wie immer: Kompetent, bis sie es dann eben nicht mehr sind.
Die Ausgangslage
Folgt man den Packers auf Social Media so ist nach dem gestrigen Spiel Feuer im Dach. Die Stimmung schwankt zwischen Verzweiflung und Wut, das Ende der Welt ist Nahe. Aber lasst mich hier eine leicht andere Perspektive einnehmen, denn, so schmerzhaft die Niederlage auch war, bin ich nach diesem Spiel doch besserer Dinge als davor. Aber der Reihe nach: Es ist gerade sechs Tage her, dass die Packers eine herzzerreißende Niederlage in Denver hinnehmen mussten und Micah Parson für den Rest der Saison verloren. Jedes NFL Team baut sein Team um 3-5 Top Spieler auf jeder Seite des Balles auf. Mehr ist aufgrund des Salery Caps gar nicht möglich. Nach Micah Parsons und Devonte Wyatt auf der defensiven und Elgton Jenkins und Tucker Kraft auf der offensiven Seite, fielen nun mit Evan Williams und Zack Tom zwei weitere dieser Topspieler aus.
Von den sechs bis zehn Topspieler pro Team verblieben den Packers gerade noch Jordan Love in der Offense und Xavier McKinney und Rashan Gary in der Defense. Und so war es die einzige positive Nachricht, dass Josh Jacobs und Christian Watson doch spielen konnten. Trotzdem keine gute Ausgangslage und entsprechend gedrückt die Erwartungshaltung. Doch es geht gegen die Bears. Befindlichkeiten sind egal, es geht um die Division, den Thron im Norden, Next Man-Up und damit genug der Floskeln.
Allen widrigen Umständen zum Trotz
Entgegen aller Erwartungen und entgegen der widrigen Umstände starteten die Packers stark. Sie bewegten den Ball übers Feld, auch wenn das Laufspiel noch nicht optimal funktioniert. Mit kurzen, schnellen Pässen und einer 15-Yard Roughing the Passer Strafe kamen sie bis an die Bears 7-Yard Linie. Doch dort war bei vierter und eins fertig. Der Pass auf Christian Watson kam nicht an und die erste kleine Wunde war sich selbst zugefügt.
Im Gegenzug brachten die Bears nicht viel zustande. Die Packers Defense ohne Micah Parson blitzte viel, zeigte verschiedene Fronten und ließ nichts zu! Es sollte dies die Geschichte der ersten Halbzeit bleiben: Die Packers Offense bewegt den Ball stark, versagt aber in der Redzone. Die Defense lässt nichts zu. Und so lesen sich die drei Drives der Packers in der ersten Halbzeit wie ein Rezept dafür, den Gegner krampfhaft im Spiel behalten zu wollen:
- 9 Plays, 46 Yards, bis an die Chicago 7-Yard Linie, bei 4&1: Incomplete 0 Punkte.
- 14 Plays, 70 Yards, bis an die Chicago 8-Yard Linie, 4& Goal: Field Goal, 3 Punkte.
- 16 Plays, 91 Yards, bis an die Chicago 4-Yard Linie, 4& Goal: Field Goal, 3 Punkte.
Genau dies sollte den Packers in der zweiten Hälfte zum Verhängnis werden.
Kommt hinzu, dass sich die Umstände für die Packers im Verlauf der ersten Halbzeit nicht verbesserten. Ganz im Gegenteil beim Dritten Play im zweiten Drive kam Chicagos Defensive Lineman Austin Booker durch und knallt mit dem Helm voll gegen Jordan Loves Kopf. Zwar gab es eine 15 Yard Strafe für Roughing the Passer, aber Jordan Love musste mit einer Gehirnerschütterung das Feld verlassen. Doch auch dadurch geriet die Packers Offensive nicht ins Stottern. Wie mittlerweile fast gewohnt, konnte Malik Willis eine starke Partie zeigen und überzeugte mit designten Runs und präzisen Würfen.
Das Unheil nimmt seinen Lauf
Auch in der zweiten Hälfte ließ die Packers Defense zu Beginn nichts anbrennen. Ein 34-Yard Pass brachte die Bears zwar in Field Goal Distanz, aber das war es dann auch schon. Bis 1:35 vor Ende des Spiels hielt die Defense und ließ lediglich drei Field Goals zu. Meines Erachtens ein überzeugender Auftritt, der die Hoffnung schürt, dass sich die Packers fangen können. Anders die Offense, die zwar weiterhin viel Raum gewann, doch im entscheidenden Moment nichts zustande brachte. Im nächsten Drive war es ein Fumble von Josh Jacobs nachdem der Ball über 62 Yards, an die 4 Yard Linie der Bears getragen wurde! Erneut liegen gelassene Punkte, welche die Packers noch heimsuchen sollten.
Denn die Fußballweisheit «Wer Sie vorne nicht macht, kriegt sie hinten» gilt auch im Football und wie es sich bei den Packers gehört, kriegten sie „es“ über die Special Teams. Eigentlich waren es die Bears die zu langsam waren und das Field Goal erst nach der Two Minute Warning schossen. Damit war einmal die Zeit stoppen verspielt und die Bears hatten gar keine andere Wahl als einen Onside-Kick zu versuchen. Wer weiss, vielleicht hätten sie einen normalen Kickoff gewagt, wenn sie neben den drei Timeouts noch die Two Minute Warning für das Zeitmanagement zur Verfügung gehabt hätten. Doch sei es drum, Onside-Kicks wurden von der NFL zu einem sicheren Play für das Receiving-Team gemacht. Ganze vier Kicks waren erfolgreich in der gesamten 2025er Saison. Wer sich also dachte, es könne nichts mehr schiefgehen, hat die Rechnung ohne die Packers Special Teams gemacht.
Die Packers Special Teams sind so eine Sache für sich. Es ist keine Neuigkeit, dass die Packers es bewusst in Kauf in den Special Teams schlecht besetzt zu sein, um die gesparten Ressourcen in andere Bereiche zu investieren. Dem entsprechend ist alles was man erwarten kann «Kompetenz». Niemand verlangt game-winning Kick-off Return-Touchdowns, oder andere Wahnsinns-Plays. Das Spiel nicht wegen der Special Teams zu verlieren – wie im NFC Championship Game 2022 gegen die 49ers – ist bereits völlig zufriedenstellend. Und die laufende Saison sieht gar nicht so schlecht aus. Entgegen der allgemeinen, leicht vorbelasteten Wahrnehmung ist es das beste Jahr der Packers Special Teams seit 2015 (nach PFF):
| Jahr | Grade | Ranking |
| 2025 | 75.1 | 21 |
| 2024 | 58.5 | 32 |
| 2023 | 67 | 28 |
| 2022 | 71 | 26 |
| 2021 | 59.1 | 31 |
| 2020 | 67.5 | 29 |
| 2019 | 63.1 | 24 |
| 2018 | 51.5 | 32 |
| 2017 | 57.7 | 30 |
| 2016 | 55.9 | 32 |
| 2015 | 69.6 | 14 |
Doch vermutlich der Tradition halber musste Romeo Doubs nicht nur den Onside-Kick fumblen, nein selbstverständlich verletzte er sich auch noch dabei am Handgelenk und war out für den Rest des Spiels. Ball Bears fast an der Mittellinie.
Das 2014 NFC Championship Game lässt Grüßen
Für alle, die länger dabei sind reiße ich jetzt vielleicht alte Wunden auf, doch mit diesem Special Teams Fail hat das Spiel definitiv ein Deja-Vu ausgelöst. Denn von hier ging alles innert kürzester Zeit schief. Die Bears konnten plötzlich den Ball bewegen, retteten sich in die Overtime, wo die Packers bei 4 & 1 den Ball fumblen, während Quay Walker beim übernächsten Play der Bears, den Ball etwas zu spät rausreißen kann und D‘Andre Swift bereits down by contact ist. So gelingt Caleb Williams zwei Plays später ein 46-Yard Touchdown Pass, um das Spiel zu beenden. Nachdem er bis fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit gerade mal 129 Yards geworfen hatte und weniger als 50% der Pässe anbrachte, gelangen ihm auf den letzten drei Drives 121 weiter Yards durch die Luft.
Der Kreis zum NFC Championship Game 2014 gegen die Seahawks war damit geschlossen: Starker Start der Packers, zwei Scores Führung (16:0 zur Pause gegen die Seahawks), Onside-Kick recovery des Gegners, Overtime, Walk-Off Touchdown. Alles was bleibt ist die Ernüchterung und haufenweise „was wäre wenn“ Gedanken.
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Doch bei genauerem Hinsehen gibt es durchaus Punkte zur Zuversicht:
- Die Defense war für 58 Minuten und 05 Sekunden hervorragen! Ohne einen weiteren epischen Special Team Fail, wäre sie das vermutlich über die gesamte Spieldauer geblieben.
- Die Offensive konnte den Ball fast nach Belieben bewegen. Sie scheiterte jeweils erst – wie schon gegen Denver – auf den letzten Yards.
- Statistisch sind die Packers Special Teams die besten der letzten zehn Jahre. Das heißt, sie sind leider immer noch nicht gut, aber ohne widerkehrende intellektuelle Aussetzer wären sie immerhin akzeptabel und im hinteren Mittelfeld der NFL angesiedelt.
Die Niederlage tat weh und tut es immer noch. Doch trotz aller widrigen Umstände waren es nicht die Bears, die das Spiel gewonnen haben, sondern die Packers die sich, vor allem in der Offensive auf den letzten Yards, kontinuierlich selber in den Fuß geschossen haben. Daneben hat die Defensive ohne ihre größten Stars überzeugt und über weite Strecken nichts zugelassen. Doch wer 0 von 5 in der Redzone ist und das Turnover-Battle mit drei Fumbles verliert – neben Josh Jacobs Fumble, der Einzige, der in der Statistik auftaucht, waren auch der Onside-Kick und der Turnover on Downs in der Overtime Fumbles geschuldet – wird nicht häufig ein NFL Spiel gewinnen.
Wenn die Packers ihre Gefährlichkeit in der Redzone wieder finden können und in der Defensive so stabil bleiben, während hoffentlich einige top Spieler (Love, Williams, Tom) bald zurückkehren, sind wir nur noch sechs Siege von einem Super Bowl entfernt. Und darum wie immer: GoPackGo!
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Fünf Siege reichen auch. Am bestrn man macht die PO’s am Samtag gegen die Ravens klar. Dann kann man in Week 18 die Starter schonen um weitere Verletzungen zu vermeiden. Im besten Fall verlieren die Liosn sogar noch vor uns und es reichen vier Siege in den PO’s. Chancenlos waren wir bisher in keinem Spiel, nur man muss endlich mal die Fehler minimieren.