Das wird eine lange Offseason – nach einem Spiel, das die Packers niemals verlieren dürfen. Sie wiederholten jeden erdenklichen Fehler und offenbarten jede Schwäche der vergangenen Wochen, Monate und Jahre erneut. So ging auch das nächste Duell gegen die Bears auf tragische Art und Weise verloren. Willkommen zur Packers-Germany-Therapiestunde nach einer Nacht des Grauens und einem kaum zu verarbeitenden Déjà-vu.

Auf einen Blick
- Die Packers geben eine 21:3-Halbzeitführung aus der Hand.
- Bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen verlieren die Packers gegen die Bears ein Spiel, das sie gewinnen müssen.
- Ein starker Tag von Jordan Love mit 323 Yards und vier Touchdowns reicht nicht.
- Epischer Kollaps im vierten Quarter: Erst zum dritten Mal in der Geschichte lässt ein Team in einem Playoff-Spiel 25 Punkte im vierten Quarter zu.
- Alle Schwächen und Unkonzentriertheiten der Packers werden schonungslos offengelegt.
Aller Anfang ist leicht
Der Abend begann vielversprechend für die Packers. Im ersten Drive der Bears spielte die Defense stark, insbesondere Rashan Gary überzeugte im Laufspiel. Die Bears bewegten den Ball nur mühsam und mussten sich mit einem Field Goal begnügen, es sollten die einzigen Punkte der Bears in der ersten Halbzeit bleiben.
Ganz anders die Packers. Jordan Love führte das Team im ersten Drive in nur neun Plays über das ganze Feld, Touchdown auf Watson. Beim nächsten Ballbesitz dasselbe in Grün: zehn Spielzüge, 87 Yards, Touchdown auf Reed. Und auch die dritte Possession der Packers in der ersten Halbzeit endete ähnlich, acht Spielzüge, Touchdown, diesmal auf Romeo Doubs.
Erstaunlich dabei, wie gut das Laufspiel der Packers funktionierte. Josh Jacobs erlief 49 seiner insgesamt 55 Rushing Yards bereits in der ersten Hälfte und war auf bestem Weg zu seinem ersten 100-Yard-Game der Saison.
Auch defensiv überraschten die Packers positiv. Wie schon in den beiden vorhergehenden Aufeinandertreffen in dieser Saison ließen sie das Laufspiel der Bears kaum zur Entfaltung kommen. Mit lediglich 44 Rushing Yards zur Halbzeit hatten die Bears weniger Raumgewinn am Boden als Josh Jacobs alleine. Zudem gelang ihnen in ihren letzten drei Drives der ersten Halbzeit nur noch ein einziges First Down, die Drives endeten mit einem geblockten Pass, einer Incompletion und einer Interception.
Ein Spiel zweier Hälften
Inexistente Offensiven auf beiden Seiten im dritten Quarter
Mit dem letzten Drive vor der Halbzeit kamen die Packers noch einmal in Field-Goal-Reichweite und hier begann das Spiel zu kippen. Anstatt mit einer 21-Punkte-Führung in die Pause zu gehen, vergab Brandon McManus das 55-Yard-Field-Goal. Die Bears schöpften neue Hoffnung, obwohl die Packers den Ball zu Beginn der zweiten Halbzeit erhielten.
Doch dieser Drive ging schnell zu Ende: drei Plays, minus zwei Yards, Punt. Und von hier an ging bei den nächsten drei Packers-Drives nahezu alles den Bach runter. Die Offensive Line konnte plötzlich nicht mehr blocken, und das Playcalling von Matt LaFleur wurde erschreckend vorhersehbar: keine Play-Action, keine Pre-Snap-Motion, stattdessen Run durch die Mitte bei First Down und ein Pass bei Second Down… resultierend in einem 3rd and long.
Jordan Love stand nun regelmäßig unter Druck und kassierte in dieser Phase gleich zwei Intentional-Grounding-Strafen, nachdem er in der gesamten regulären Saison lediglich eine einzige erhalten hatte. Immerhin hielt die Defense im dritten Quarter noch stand. Sie ließ weiterhin wenig zu und zwang die Bears zu einem Field Goal sowie zu einer Interception.
Ein viertes Quarter für die Geschichtsbücher
Doch dann folgte ein viertes Quarter für die Geschichtsbücher: Erst zum dritten Mal überhaupt erzielte ein Team in den Playoffs 25 Punkte im Schlussviertel. Dazu war es das dritthöchste Playoff-Comeback in einem vierten Quarter in der NFL Geschichte.
Die Laufverteidigung der Packers blieb dabei einigermaßen stabil. Zwar verdoppelten die Bears ihre Rushing Yards in der zweiten Halbzeit auf 92 Yards, doch das eigentliche Problem lag in der Passverteidigung. Hier traten die altbekannten Schwächen offen zutage: Der Pass Rush setzte Caleb Williams kaum noch unter Druck, und die Cornerbacks verfügten nicht über die Qualität, ihre Gegenspieler über längere Zeit zu decken.
Auf der anderen Seite lief die Bears-Offense nun heiß. Auch wenn Williams’ Completion Percentage nicht überragend war, seine Passing Yards waren es. Den Bears gelangen ein Field Goal und drei Touchdowns, einer davon inklusive Two-Point-Conversion.

Das alte Leid
Und doch hätte dieses Spiel selbst dann niemals verloren gehen dürfen. Die Packers-Offense fing sich im vierten Quarter wieder und hielt mit den Bears Schritt. Jordan Love warf seinen vierten Touchdown, diesmal auf Rookie-Receiver Matthew Golden, der bei einem Wide-Receiver-Screen gleich sechs Bears-Verteidiger aussteigen ließ und die Packers 6:30 Minuten vor Schluss wieder mit 27:16 in Führung brachte.
Doch nach dem vergebenen Field Goal vor der Pause verschoss McManus nun auch noch den Extrapunkt und es blieb bei 27 Zählern. Und als wäre das nicht genug, vergab er im nächsten Drive, als die Packers die Chance hatten, erneut auf sechs Punkte davonzuziehen, ein weiteres 44-Yard-Field-Goal.
Am Ende hatten es die Packers trotzdem selbst in der Hand. Nach dem dritten Touchdown der Bears im vierten Quarter blieben ihnen 1:43 Minuten und ein Timeout, um das Spiel zu drehen. Sie bewegten den Ball gut über das Feld, doch die zuvor von Matt LaFleur verbrauchten Timeouts sollten sich nun rächen. Nach der Verletzung von Sean Rhyan mussten die Packers zusehen, wie zehn wertvolle Sekunden von der Uhr genommen wurden. Vielleicht wäre noch etwas möglich gewesen. Doch zu allem Überfluss fumblete Jordan Love beim letzten Snap, der etwas zu hoch angesetzt war. Er konnte den Ball zwar aufnehmen, fand aber niemanden mehr in der Endzone.
Fazit
Die zweite Halbzeit der Packers war eine Zusammenfassung all ihrer Mängel der vergangenen Wochen, Monate und Jahre. Wie schon zuvor war der Pass Rush plötzlich inexistent, Caleb Williams hatte alle Zeit der Welt in der Pocket. Mit Rasheed Walker, Jordan Morgan und Keisean Nixon fingen sich gleich drei Spieler Strafen im denkbar ungünstigsten Moment, ein bekanntes Muster aus dem Saisonbeginn.
Als die Bears zurückkamen, ließen die Receiver plötzlich Bälle fallen wie im vergangenen Jahr. Und was wäre ein Packers-Playoff-Spiel ohne einen Totalkollaps der Special Teams? Sieben Punkte wurden liegengelassen, was am Ende der Unterschied war. Dies obwohl eigentlich alles für die Packers lief. Zum ersten Mal diese Saison war das Glück auf ihrer Seite. Gleich viermal fumbelten die Packers den Ball, konnten ihn aber jedes Mal wieder selber sichern oder er sprang ins out. Auch von Verletzungen blieben sie weitestgehend verschont. Es waren eher die Bears welche Verletzungspech zu beklagen hatten.
So werden sich Matt LaFleur und sein Coaching Staff in dieser Offseason einige unangenehme Fragen stellen lassen müssen:
- Warum wird das Playcalling mit Polster im Rücken regelmäßig vorhersehbar?
- Warum findet man – in einer Saison in der Jayden Reed verletzt war – erst in den Playoffs heraus, dass Matthew Golden mit dem Ball in der Hand sechs Verteidiger aussteigen lassen kann?
- Warum scheitern die Packers erneut an ihren Special Teams?
- Und warum läuft man bei 3rd and short gefühlt jedes Mal „Inside Zone“ durch die Mitte?
Die Packers stehen vor richtungsweisenden Entscheidungen. Matt LaFleur hat eine Top-10-Offense aufgebaut und die Packers in sechs von sieben Saisons in die Playoffs geführt. Doch die Packers verlieren jeweils nicht aus Mangel an Talent, sondern weil sie im entscheidenden Moment nicht den Mut besitzen, Spiele zu beenden. Zu oft verlaufen Spiele bei Führung nach dem gleichen Muster: konservatives Playcalling, fehlende Adjustments und ein völliger Kontrollverlust, sobald der Gegner risikobereit wird. Diese Niederlage ist kein Einzelfall. Talent alleine gewinnt keine Titel und wer aus seinen Fehlern nicht lernt, wird immer wieder in gleicher Art Niederlagen kassieren.
Historisch gesehen gewannen lediglich Bill Cowher (14 Jahre) und Tom Landry (12 Jahre) ihren ersten Super Bowl nach mehr als sieben Jahren bei einem Team. Liegt es an mangelnder Geduld der NFL – oder daran, dass man einem alten Hund tatsächlich keine neuen Tricks mehr beibringen kann?
Die Packers werden in dieser Offseason eine Antwort auf diese Fragen finden müssen.
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