Nach dem bitteren Playoff-Aus gegen die Chicago Bears stand für Ed Policy, Präsident und CEO der Packers, direkt die wichtigste Entscheidung seiner recht neuen Amtszeit an: Wie geht es mit den Packers weiter?
Vor der Saison hatte er noch das gesamte Front Office und Head Coach Matt LaFleur von seinem Vorgänger Mark Murphy übernommen. Die 2025er Saison galt als eine Saison der Evaluierung. Die Verträge von Brian Gutekunst und Matt LaFleur wären allerdings mit der kommenden Saison abgelaufen.
Mit Jon-Eric Sullivan ging bereits einer der wichtigsten Verantwortlichen im Front Office. Er hatte die Stelle als Vice President of Player Personnel inne, war der wichtigste Ansprechpartner für Brian Gutekunst und vereinte sämtliche Themen von Scouting, Draftanalyse, Draftstrategie und Player Management. Sullivan ist nun der neue General Manager bei den Miami Dolphins.
Es stand also die Frage an: Verlängert man die anderen Verträge oder sorgt man für einen frischen Wind, um die Franchise neu auszurichten?
Die Packers entscheiden sich bewusst gegen einen Reset und binden damit ihren sportlichen Erfolg unmittelbar an LaFleur / Gutekunst. Das Duo sowie Russ Ball (Executive Vice President/Director of Football Operations) bleiben den Packers erhalten und haben bzw. werden ihre Verträge um mehrere Jahre verlängern.
Was bedeutet das für die Packers?
Vor allem eines: Konstanz. Der bisher eingeschlagene Weg wird weitergegangen. Mit Russ Ball hat man einen in der NFL geschätzten Finanz-Guru gehalten. Ball ist seit 2008 bei den Packers dabei und verhandelt unter anderem seitdem die Verträge der Spieler aus. Brian Gutekunst und Matt LaFleur sind nun bereits seit 2018 bzw. 2019 (LaFleur) im Amt. Nur neun General Manager und drei Head Coaches (Andy Reid, Sean McVay, Kyle Shanahan) sind länger in leitender Funktion bei ihrem Team.
Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt der aktuelle Head-Coach-Cycle. Mit neun Head-Coach-Openings ist mehr als ein Viertel aller NFL-Teams auf der Suche nach einem neuen Übungsleiter. Nach dieser Saison mussten bei den Buffalo Bills (Sean McDermott) und Baltimore Ravens (John Harbaugh) zwei langjährige Head Coaches ihren Posten räumen, nachdem zwar häufig die Playoffs erreicht wurden, aber der entscheidende letzte Schritt Richtung SuperBowl nicht gemacht werden konnte. Gleiches gilt für Matt LaFleur und die Packers. Aber hier ist man zufrieden mit der Entwicklung in den letzten Jahren und hat den nötigen Erfolg gehabt, um sich weitere Chancen auf den SuperBowl zu verdienen.
Leistung von LaFleur
Dies geschieht nicht ganz grundlos. Die Bilanz des Duos Gutekunst/LaFleur ist auch alles andere als schlecht: Der Umbruch von der Rodgers-Ära hin zu einem neuen Franchise-Quarterback mit Jordan Love hat nahtlos funktioniert. Man war trotz Umbruch und Abgängen einiger langjähriger Starter und Legenden wie Davante Adams, Corey Linsley, Kenny Clark, Jaire Alexander, Mason Crosby, David Bakhtiari und Bryan Bulaga stets kompetitiv und kam in sechs von sieben Saisons in die Playoffs.
76 von 117 Regular-Season-Spielen konnten seit 2019 gewonnen werden. Das entspricht einer Quote von 65,4% und wäre im Schnitt ein 11-6 Record. Von allen aktuellen NFL Head Coaches (mit mehr als zwei Saisons Erfahrung) haben nur Sean McDermott (Bills / 66,2%), Jim Harbaugh (Chargers / 67,9%) und Nick Sirianni (Eagles / 69,4%) einen besseren Track Record. Packers-Intern rangiert er damit auf Platz vier hinter Vince Lombardi, Mike Holmgreen und Curly Lambeau. Bezüglich Playoff Teilnahmen ist nur Mike McCarthy (9) vor ihm.

LaFleur gehört objektiv zur oberen NFL-Elite. Entscheidend ist dabei nicht nur die Siegquote, sondern die Tatsache, dass LaFleur bereits zwei Quarterback-Epochen erfolgreich moderiert hat – eine Fähigkeit, die in der heutigen NFL selten ist. Dies hat gleichzeitig zur Folge, dass mit jeder weiteren Saison ohne Super-Bowl-Teilnahme der Erwartungsdruck steigt – intern wie extern. Die Diskussionen auf unserem Discord-Server nach dem Playoff-Aus zeigen, dass die Erwartungshaltung hoch ist und durch die Vertragsverlängerung nicht geringer werden dürfte.
Bewertung von Gutekunst
Die Bewertung von Brian Gutekunst fällt differenzierter aus. Seine Draftarbeit der vergangenen Jahre wurde wiederholt kritisch hinterfragt, insbesondere weil mehrere First-Round-Picks bislang hinter den Erwartungen zurückblieben. Namen wie Devonte Wyatt oder Lukas Van Ness konnten ihren hohen Draftstatus bisher nur phasenweise rechtfertigen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein anderes Bild abseits der ersten Runde: Mid-Round-Picks wie Romeo Doubs, Zach Tom, Tucker Kraft oder Evan Williams entwickelten sich zu tragenden Kaderbausteinen und unterstreichen eine solide Talentidentifikation jenseits der Spitze des Draftboards. Legt man dies zu Grunde sollte der Draft 2026 ein echter Volltreffer werden, da die Packers keinen First-Round-Pick haben.
Auch in der Free Agency war Gutekunst’ Bilanz wechselhaft. Auf zurückhaltende oder wenig nachhaltige Verpflichtungen folgten zuletzt gezielte, wirkungsvolle Investments. Vor allem die Signings von Josh Jacobs und Xavier McKinney markieren einen klaren qualitativen Schritt nach vorne.
Den deutlichsten Akzent setzte Gutekunst jedoch mit dem Trade für Micah Parsons. Der ungewöhnlich aggressive Vorstoß widersprach den bisherigen Erfahrungen. Der Trade kostet einiges an Kapital, brachte den Packers allerdings einen Future Hall of Fame Spieler im besten Football-Alter. Der Deal steht sinnbildlich für einen General Manager, der bereit ist, seine Prinzipien situativ anzupassen – auch im engen Schulterschluss mit Matt LaFleur. Gutekunst ist kein Manager, der durch Drafts glänzt, sondern durch Kadersteuerung im Gesamtbild. Genau das erklärt auch, warum die Packers an ihm festhalten.
Wie geht es nun weiter?
Nachdem die Frage geklärt ist, wer die handelnden Personen für die Zukunft sein sollen, geht es nun darum, die offenen Themen anzugehen. Und das sind nicht gerade wenige: In den letzten Tagen hat sich angedeutet, dass Jeff Hafley an einem anderen NFL-Standort Head Coach werden wird. Sein Resümee überzeugt die Liga. So gehörte er bei allen Stationen, zu denen er zum Bewerbungsgespräch geladen war, zu einer der Favoriten. Unter anderem die Steelers und die Titans gelten als Teams mit großem Interesse. Favorit sind allerdings die Miami Dolphins. Die Verbindung zu Jon-Eric Sullivan ist offensichtlich und könnte letztlich der entscheidende Pluspunkt für Miami sein. Damit wäre der Posten des Defense Coordinators wieder offen.
Außerdem muss entschieden werden, wie mit Adam Stenavich (Offensive Coordinator) und Rich Bisaccia (Assistant Head Coach / Special Teams Coordinator) und weiteren Coaches umgegangen wird. Besonders Bisaccia steht bei der Fanbase unter starker Kritik. Das Kicking Desaster in Chicago könnte hier Veränderungen auf Coaching- und Spielerseite herbeirufen. Hierzu wird in den kommenden Tagen auch ein Artikel bei uns erscheinen. Gerade im Coaching-Staff zeigt sich, dass die Verlängerungen keinen Stillstand bedeuten müssen. Im Gegenteil: LaFleur steht nun stärker, denn je in der Verantwortung, sein Umfeld aktiv neu zu justieren.
Anstehende Rosterentscheidungen
Bezüglich des Roster gibt es auch einige ToDos und Entscheidungen, die anstehen. Bis Mai muss die 5th-Year-Option für Lukas Van Ness (ca. 14,9 Mio.) gezogen werden. Falls diese nicht gezogen wird, läuft der Vertrag nach der kommenden Saison aus. Die Packers gehen stand jetzt noch mit negativem Cap Space in die kommende Saison (–9,5 Mio.). Es gibt einige Spieler, die für die kommende Saison einen zu hohen Cap-Hit haben und deren Leistung nicht dem Geldeinsatz entspricht.

Rashan Gary, Elgton Jenkins, Trevon Diggs, Keisean Nixon und Brandon McManus sind alles Kandidaten für einen Cut, Trade oder eine Anpassung des Vertrags. Dazu laufen unter anderem die Verträge von Rasheed Walker, Kingsley Enagbare, Emanuel Wilson, Romeo Doubs, Sean Rhyan, Malik Willis und Quay Walker aus. Es gibt viel zu tun. Dieses Jahr könnte es wieder zu größeren Veränderungen im Roster und auch im Coaching-Staff kommen, um sich für die kommende Saison ideal aufzustellen.
Mit der Verlängerung von Matt LaFleur und Brian Gutekunst legen die Packers nun ihre sportliche Identität für die kommenden Jahre fest. Es ist eine Entscheidung für Stabilität – aber auch eine Entscheidung gegen Ausreden.
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