Spielerportrait Benjamin St-Juste

Die Green Bay Packers haben in der aktuellen Free Agency-Phase mit Benjamin St-Juste einen neuen Cornerback verpflichtet. Zuletzt spielte St-Juste ein Jahr bei den Los Angeles Chargers. Ursprünglich gedraftet wurde St-Juste allerdings von den Washington Commanders. St-Juste hat einen Vertrag über zwei Jahre in Green Bay unterzeichnet mit einem maximalen Einkommen von 9,8 Mio Dollar (laut letzten Infos, die nicht zur Ursprungsmeldung von Ian Rapoport passen).

Rund um den Draft 2021 beginnt aber die Geschichte zwischen den Packers und St-Juste, denn Green Bay war seinerzeit auf der Suche nach Cornerbacks. General Manager Brian Gutekunst war bei den Golden Gophers an der University of Minnesota auch bei deren Pro Day (eine Art Schaulaufen für interessierte Teams) vor Ort um sich ein Bild von einigen Spielern, darunter Benjamin St-Juste, zu machen. Letztlich wurde St-Juste wesentlich früher als erwartet im Draft ausgewählt. Bereits mit Pick 74 erklang sein Name während ein Großteil der Experten ihn erst ab Tag 3 (Runde 4) in Erwägung gezogen hätte. Green Bay entschied sich im Draft 2021 übrigens für Eric Stokes (Runde 1) und Shemar Jean-Charles (Runde 5) auf der Cornerback-Position.

Der Auftakt in die NFL-Karriere von St-Juste war aber letztlich nicht überaus glorreich, denn in einem doch recht launenhaften Commanders-Team konnte er nicht so recht Fuß in der NFL fassen. Die Commanders gewannen 2021 sieben Spiele, 2022 acht Spiele gefolgt von nur vier Siegen 2023. Im Folgejahr waren es (verstärkt durch Jayden Daniels auf Quarterback) dann zwölf Siege bevor sein Rookie-Deal in Washington auslief. Insgesamt stand St-Juste in diesen vier Jahren zwar häufig auf dem Feld (55% der defensiven Snaps gefolgt von 89%, 97% und 77%), aber seine eigene Leistung war wenig stabil.

Unter Defensive Coordinator Jack Del Rio (2021-2023) spielten die Commanders extrem viel Man-Coverage und teils auch ohne Absicherung durch einen Safety. Wohl fühlte sich St-Juste in solchen Situationen nicht (was auch an einigen negativen Highlight-Videos ersichtlich ist). Obendrein wurde er auch regelmäßig in den Slot beordert, was für einen 6ft3 großen Corner (1,91 Meter) doch ungewöhnlich ist. Zumeist hatte er es dort mit kleineren Gegenspielern zu tun.

Der Wechsel zu den Chargers nach Los Angeles änderte dann doch viel. St-Juste wurde dort sehr häufig in den Special Teams eingesetzt (72% der Special Team Snaps – mehr als je zuvor) und wesentlich weniger in der defensiven Formation (37%). Seiner Leistungsfähigkeit hat dies aber letztlich geholfen, was sicherlich auch daran lag, dass die Chargers mehr Zone als Man-Coverage spielten und sich St-Juste darin offensichtlich wohler fühlt. Seine Bewertung bei PFF ist natürlich mit Vorsicht zu genießen, wenn man nur etwas mehr als ein Drittel der defensiven Snaps gespielt hat.

Für die dringend benötigte Tiefe ist der 28 jährige St-Juste auf jeden Fall wohl eine ordentliche Verstärkung, wenn man einen Ausblick wagen mag. Bislang war die Tendenz des neuen Defensive Coordinators der Packers, Jonathan Gannon, nämlich auch deutlich Zone-lastig und stilistisch sehr ähnlich der Defensive der Chargers. Unter Gannon spielte kein Cornerback in Arizona mehr als 22% der Snaps in Man Coverage. Bei den Chargers letzte Saison? 21%

In vielen Statistiken spiegelt sich wider, dass St-Juste sich 2025 bei den Chargers massiv gesteigert hat. Fans/Beatwriter hätten ihn gerne behalten und in diversen Bewertungskriterien schnitt St-Juste gut ab. In der Kombi der Completion Rate kombiniert mit dem Passer Rating (siehe Tweet von Kevin Fielder) ist St-Juste auch prominent platziert.

St-Juste’s Vertrag ist, gemessen an seiner abgelieferten Qualität 2025, ein absolut passabler Vertrag für die Packers. Sein Cap Hit 2026 wird bei 3,5 Mio Dollar liegen und im zweiten Jahr auf 6,5 Mio ansteigen, so die Packers ihn nicht nach einer Saison anpassen oder den Spieler entlassen. Sollte es nach einer Saison zur Trennung kommen, so bliebe nur ein Dead Cap von 1,5 Mio für die Packers in den Büchern und 5 Mio würden sie freischaufeln.
Über diverse Boni kann sich St-Juste etwas hinzuverdienen und hat mit 1,3 Mio Dollar nur einen sehr kleines Grundgehalt (Base Salary) für die kommende Spielzeit.

Als Fazit kann durchaus gesagt werden, dass die Packers einen Spieler verpflichtet haben, der womöglich recht gut zur neuen Defense unter Gannon passen könnte. Auch der Vertrag ist eher als preiswert zu beschreiben, während die Leistungskurve des Spielers zuletzt deutlich nach oben ging. Hinzu kommt die Versatilität auch im Special Team spielen zu können und der abgedeckte Bedarf in der zuletzt zu dünnen Cornerback-Gruppe in Green Bay.
Sollte St-Juste sein Level aus der letzten Saison grob halten können, dann haben die Packers einen Spieler verpflichtet, der ihnen Tiefe und Qualität zugleich liefern kann.

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