In der dritten Runde fackelten die Packers nicht lange. Sie hatten einen klaren Favoriten: Chris McClellan. Da sie vermuteten, dass es einige der Teams vor Ihnen auf einen Defensive Tackle abgesehen haben könnten und die direkt vor ihnen draftenden Caroline Panthers McClellan zu einem Top 30 Visit eingeladen hatten, schien das Risiko den Wunschspieler zu verlieren zu hoch. So tradeten die Packers einen Fünftrunden-Pick und Pick 84 zu den Buccaneers und erhielten im Gegenzug Pick 77, um sich die Dienste von Chris McClellan zu sichern. Im Rückblick war der Trade in doppelter Hinsicht sinnvoll.
Erstens wählten tatsächlich gleich zwei Teams, die Jaguars an 81 und die Vikings an 82 einen Defensive Tackle. Wohl gibt es keine bestätigten Interessen dieser Teams an McClellan, die Annahme, dass andere Teams unmittelbar vor den Packers aber ihre Defensiv Line verstärken wollen, war korrekt. Und verschiedene Beobachter behaupten, eine gewisse Enttäuschung im Draft Room der Vikings ausgemacht zu haben, als McClellan zu den Packers ging.
Zweitens kann man mit der Wahl einverstanden sein oder nicht, der Prozess, der zur Wahl führte, war einwandfrei. So gab Packers GM Brian Gutekunst nach dem Draft zu Protokoll, dass bereits in Runde 2 die Wahl der Packers zwischen Cisse und McClellan fiel. Wenn der Spieler, den man fast in Runde zwei gedraftet hätte, in sieben Picks vor dem eigenen Runde 3 noch verfügbar ist, ist es absolut gerechtfertigt, hochzutraden und de facto einen zweiten Zweitrunden Pick zu wählen, zumindest nach interner Evaluation. Auch wenn man hier festhalten muss, dass das Konsensus-Draft-Board und die meisten Experten McClellan erst später in Runde 3 oder gar in Runde 4 sahen.
Eckdaten
Alter: 17 Oktober 2003 (22)
Geburtsort: Owasso, Oklahoma
Größe: 1.91 Meter (6’03“)
Gewicht: 142 kg (313 lbs)

College Karriere
Wie so viele Packers Draft Picks, wurde auch McClellan an den Senior Bowl eingeladen und es fanden auch erste Kontakte mit den Packers dort statt. Selber wuchs McClellan in Owasso, Oklahoma auf und galt früh als einer der besten Defensive Tackles seines Jahrgangs. 247Sports führte ihn als Vier-Sterne-Recruit, Nummer eins im Staat Oklahoma und Nummer 12 an seiner Position. Er galt als echter Blue-Chip-Prospect und entschied sich für die University of Florida. Dort musste er sich allerdings erst mal mit einer Nebenrolle zufriedengeben. In beiden Saisons (2022 und 2023) kam er nie über insgesamt 300 Snaps und erhielt PFF-Grades von 56.2 (2022) und 63.9 (2023).
Dies war McClellan, der auf und neben dem Feld wachsen wollte, nicht genug, weshalb er den Transfer nach Missouri anstrebte. Dort übernahm er von Beginn an eine Führungsrolle in der Defensive Line. Er war als Starter in allen 26 Spielen für die Missouri Tigers auf dem Feld und sammelte dabei je acht Sacks und Hits, 23 Hurries, 70 Tackles (inkl. assisted) und fünf Batted down Passes. Beeindruckende Zahlen, welche sich auch in seinen Grades widerspiegelten:
| Season | Snaps | Snaps Run Defense | Snaps Pass Rush | Grade Rund Defense | Grade Pass Rush | Overall Grade |
| 2025 | 550 | 238 | 312 | 75.2 | 73.2 | 78.2 |
| 2024 | 459 | 222 | 237 | 70.9 | 72.6 | 73.2 |
Bei Missouri übernahm er nicht nur auf dem Feld eine Führungsrolle, sondern auch neben dem Feld. So organisierte er wöchentliche zusätzliche Filmstudien für die Defensive Line, da er verstand, dass Talent allein nicht ausreicht. Die konstante Steigerung seiner Leistung und seine hohe Produktivität im letzten College Jahr brachten ihm 2025 die Wahl ins Second-Team all-SEC Team ein.
Stärken und Schwächen
Wir alle wissen, wie sehr die Packers Versatilität schätzen und genau das bekommen sie mit Chris McClellan entlang der Defensive Line. Er war einer von nur drei Defensive Tackles in diesem Draft, die eine Pass Rush Win-Rate von über 9.5% (Top 5 in der SEC)mit einer Run Stop Success Rate von über 8% kombinierten. Seine Snaps am College teilten sich in etwas zu gleichen Teilen auf Pass Rush und auf Run Stopping Downs und Missouri setzte ihn als Nose Tackle, Three Tech und als Edge Defender ein. Chris McClellan hat dabei das Potenzial zum Elgton Jenkins der Defensive Line zu werden.
Losgelöst von seiner Vielseitigkeit liegt die Stärke von McClellans Spiel aber eher im Run Stopping. Die Experten sind sich einig, dass er zwar nicht die beste Technik hat, aber trotzdem kaum aus dem Weg geräumt werden kann. Eines dieser klassischen „wir wissen nicht genau warum, aber er ist irgendwie wirklich in was er macht“. Dabei ist McClellan auch ein starker Tackler und hatte über seine College Karriere hinweg gerade einmal eine missed Tackle Rate von 6.4%.
Dies bringt uns zu guter Letzt zu seinen Pass Rush Fähigkeiten. Auch hier hat er sich von Jahr zu Jahr gesteigert. Trotzdem zeigt er auf Tape jeweils Schwierigkeiten, wenn sein erster Move nicht funktioniert. An seinem Einsatz liegt es nicht. Er gibt kaum auf und wird weiter kämpfen, aber wenn sein erster Move nicht klappt, endet das Duell im besten Fall in einem Unentschieden.
Auch wenn er es mit zwei Offensive Linemen zu tun bekam, bekundete er seine lieben Probleme. Nun ist er sicherlich nicht der einzige Spieler für den dies gilt, aber bei einem Defensive Tackle von über 300 lbs. würde man doch etwas mehr erwarten. Er müsste wohl etwas tiefer spielen und etwas explosiver werden.
Hier kommt seine Upside ins Spiel. Er hat sich im College von Jahr zu Jahr gesteigert, nicht nur in der Produktion sondern auch in den Grades. Diese Konstanz deutet auf sein weiteres Entwicklungspotenzial hin.
Erwartungen
Nach den Abgängen von Kenny Clark, TJ Slaton und Colby Wooden war die Interior Defensive Line eine klare Position of Need. Es war entsprechend zu erwarten, dass die Packers die Position im Draft angehen würden, auch wenn mit Javon Hargrave ein Veteran geholt wurde. Chris McClellan trifft nun auf eine „erfahrene“ Defensive Line mit Devonte Wyatt, Karl Brooks und Javon Hargrave. Wenn er von diesem Trio lernen und sich wie am College auch in der NFL kontinuierlich weiterentwickeln kann, insbesondere im Pass Rush, könnte er mehr als nur seinen Draft Status erfüllen.
Als Rookie dürfen wir von ihm einige Snaps als rotational Spieler entlang der Defensive Line erwarten. Chris McClellan hat bereits in einigen Interviews klargemacht, dass er die Flexibilität und Bereitschaft mitbringt überall entlang der Line zu spielen. Langfristig darf man auf einen Starting Defensive Tackle hoffen, der an allen Positionen entlang der Line eingesetzt werden kann. Es wird diese Entwicklung sein, die darüber entscheidet, ob Brian Gutekunst den richtigen Riecher hatte, oder ob alle Kritiker recht hatten.
Zusammenfassend, haben sich die Packers einen soliden Prospect mit einer gehörigen Portion Upside geschnappt. Wir dürfen gespannt sein in welche Richtung die Reise geht.
Und bis dahin wie immer: Go Pack Go!
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