Im eigenen Wohnzimmer ausgebuht – Week 3 Packers vs. Falcons

Was für ein ernüchternder Abend. Home Opener, Thursday Night Football, volles Lambeau Field und am Ende verlassen die Packers unter Buhrufen den Platz. Nach den ersten beiden Spielen war man sich unsicher, wie dieses Packers-Team einzuschätzen ist. Gegen die Vikings gut gestartet, dann im vierten Quarter total eingebrochen. Gegen die Jets langsam gestartet, aber ein starkes Comeback. Welches Gesicht würden die Packers gegen die Falcons zeigen? Nun, sie entschieden sich für einen Kompromiss und spielten ab der eigenen 7:0 Führung durchgehend schlecht. Das Resultat: eine 14:35-Klatsche im Lambeau Field gegen die Falcons, die zuvor in ihren ersten beiden Spielen nicht einen einzigen Snap in der Red Zone gespielt hatten.

Auf einen Blick

  • Erste Niederlage in einem Home Opener seit 2012, die Serie von 13 Siegen ist gerissen.
  • Nach dem 7:0 durch Christian Watson erzielen die Falcons 27 Punkte in Folge.
  • Bijan Robinson besiegt die Packers mit 194 Yards Rushing fast im Alleingang.
  • Die Packers laufen für 17 Yards. Siebzehn!
  • Die Defense, nach zwei Spielen noch die disruptivste der Liga, bleibt ohne einen einzigen Sack.
  • Lichtblicke: Matthew Golden mit seinem ersten Touchdown und ersten 100-Yard-Spiel, Watson fängt im dritten Spiel in Folge einen Touchdown.
  • Und tatsächlich: Nur sechs Strafen für 45 Yards.

Die sechs roten Laternen der Packers

Vor dem Spiel lagen die Packers gleich in sechs wichtigen Statistiken auf dem letzten Platz der NFL und es war klar, dass viel davon abhängen würde, ob sie diese negativen Tendenzen würden wenden können. Nach dem Spiel kann man mit gutem Gewissen sagen: Mit einer Ausnahme ist das nicht einmal im Ansatz gelungen.

1. Penalties

Das Positive vorneweg: Mit lediglich sechs Strafen für 45 Yards haben sich die Packers in diesem Bereich massiv verbessert. In den ersten beiden Spielen kassierten sie noch 32 Penalties, 26 davon angenommen, für 231 Yards. Damit waren sie auf dem letzten – oder ersten, je nachdem, wie man es anschauen will – Platz aller Teams. Wer allein aufgrund von Flaggen mehr als eine Feldlänge pro Spiel aufholen muss, schmälert seine Chancen auf den Sieg gleich selbst. Entsprechend positiv war, dass das Team konzentrierter wirkte. Doch damit hat es sich leider bereits mit den positiven Entwicklungen.

2. Rushing Yards

Vor diesem Spiel waren die Packers mit gerade mal 129 Rushing Yards nach zwei Spielen auf dem letzten Platz. Gegen die Falcons sind nochmals 17 dazugekommen. Ja, richtig gelesen: 17! Mit 146 Rushing Yards nach drei Spielen haben die Packers damit einen echten Negativrekord aufgestellt: So wenig waren es seit 1933 für kein Team der Liga.

Die Probleme sind offensichtlich. Die Offensive Line kann die Gegner nicht bewegen, die Running Backs werden schon im Backfield angegangen und von der viel erwähnten Wendigkeit von MarShawn Lloyd ist bisher wenig bis nichts zu sehen. Ohne Run Game wird die Offense eindimensional und berechenbar. Bestes Beispiel ist der 4th-and-1 an der Sieben-Yard-Linie der Falcons beim Stand von 7:17. Ein Yard. Und weil die Packers niemandem zutrauen konnten, dieses eine Yard zu erlaufen, musste Jordan Love werfen. Der Pass auf Watson fiel ins Leere und die Falcons marschierten im Gegenzug 92 Yards zum 24:7.

3. Third Down Conversion

Vor diesem Spiel waren die Packers abgeschlagen Letzte: Nur 19,1 Prozent ihrer dritten Versuche wurden zu neuen ersten Downs. Gestern gelang den Packers in der gesamten ersten Halbzeit ein einziges neues erstes Down bei dritten Versuchen und bis zum Spielstand von 7:24 waren es zwei von acht. Danach konnten die Packers die Statistik noch leicht verbessern, allerdings in einer Phase, in der die Falcons mit drei Scores Vorsprung vor allem die Uhr im Blick hatten.

4. Pass Block Win Rate

Vor dem Falcons-Spiel lag die Packers Offensive Line mit einer Pass Block Win Rate von 18 Prozent auf dem letzten Platz. ESPN wertet einen Block als gewonnen, wenn er mindestens 2,5 Sekunden hält. Auch hier war keine Steigerung zu sehen: Jordan Love stand laut Next Gen Stats bei 42 Prozent seiner Dropbacks unter Druck und das im Schnitt nach bereits 2,28 Sekunden. Die Falcons waren also meist schneller am Quarterback, als ein Block laut ESPN überhaupt halten muss. Anstatt sich aufzuheben, verstärken sich die negativen Tendenzen der verschiedenen Mannschaftsteile zurzeit gegenseitig und das war gestern besonders schmerzhaft sichtbar.

5. Drops

Wenn man schon kein Laufspiel hat und die Offensive Line nicht mal Nasenbluten stoppen kann, sollte man sich wenigstens auf die Passempfänger verlassen können, wenn Jordan schon einmal einen Pass aus der Pocket rausbringt. Dies gilt umso mehr, wenn man mit zweien davon (Tucker Kraft und Christian Watson) vor der Saison lukrative Verlängerungen unterzeichnet hat. Doch auch in dieser unrühmlichen Statistik lagen die Packers vorne: Sechs fallengelassene Pässe in den ersten zwei Spielen, mehr als bei jedem anderen Quarterback. Die Zahlen für gestern sind noch nicht veröffentlicht, doch alleine Tucker Kraft hatte drei Drops und in mindestens zwei weiteren Szenen flogen die Bälle durch die Hände der Passempfänger. Mit Unkonzentriertheiten im ganzen Team lässt sich kein Footballspiel gewinnen. Complementary Football bedeutet, sich gegenseitig stärker zu machen. Die Packers machten gegen die Falcons genau das Gegenteil.

6. Completion Percentage

«Let Jordan cook», hieß es vor der Saison noch hoffnungsvoll. Hatte Jordan Love doch letzte Saison gezeigt, wozu er fähig ist: Mit 66,3 Prozent Completion Percentage, einem Passer Rating von 101,2 und nur sechs Interceptions war er in den meisten Effizienzstatistiken unter den besten zehn Quarterbacks der Liga und das hinter einer relativ löchrigen Offensive Line. Doch statt einer Verbesserung, machte die Offensive Line Rückschritte und zu allem Überfluss lassen auch die Passempfänger plötzlich haltbare Bälle fallen. So stand Love nach zwei Spielen mit gerade mal 52,1 Prozent auf dem letzten Platz aller qualifizierten Quarterbacks.

Gegen die Falcons war keine Steigerung zu sehen. In der ersten Halbzeit lag die Quote mit neun von 19 sogar unter 50 Prozent. Erst als das Spiel beim Stand von 7:24 bereits gelaufen war, ging es leicht aufwärts, auf 52,8 Prozent über das ganze Spiel gesehen. Das ist zu wenig. Natürlich war das ganze Team ungenügend, doch neben einer Farce von Offensive Line und Passempfängern, die sich weigerten, Bälle festzuhalten, landeten auch viele Pässe im Niemandsland. Außer bei ein paar Bällen auf Matthew Golden wirkte es nie, als wären Jordan und seine Receiver im gleichen Spielzug unterwegs.

Defense: Bijan Robinson und die Rückkehr der Ravens-Albträume

Die Defense war in den ersten zwei Spielen der große Lichtblick: 19 Negativplays, so viele wie kein anderes Team, dazu sieben Sacks. Gestern begann es auch vielversprechend. Gleich im ersten Drive fing Xavier McKinney einen Pass von Michael Penix ab, der sein erstes Spiel seit seinem Kreuzbandriss bestritt. Doch dann kam Bijan Robinson.

Der Wendepunkt lässt sich ziemlich genau festmachen. Ende des ersten Viertels, 3rd-and-11 an der eigenen 25, Penix wirft ins Leere… Punt, eigentlich. Doch ein Roughing the Passer Penalty gegen Brenton Cox gibt den Falcons eine zweite Chance und im nächsten Spielzug läuft Robinson 55 Yards bis an die 5-Yard-Linie. Zwei Spielzüge später steht es 7:7. Von da an lief es für die Falcons und zwar im wörtlichen Sinne: 242 Rushing Yards, 194 davon von Robinson, drei Rushing Touchdowns.

Das weckt ungute Erinnerungen. Im letzten Heimspiel vor der Sommerpause liefen die Ravens mit Derrick Henry für 307 Yards. Zusammen sind das 549 Rushing Yards in zwei Heimspielen – so viel hatte die Packers Defense zu Hause zuletzt im Herbst 1977 zugelassen.

Und während die Laufverteidigung nicht hielt, blieb auch der Pass Rush schwach: kein Sack, ein einziger QB Hit. Penix fand nach einem holprigen Start (1 von 5 und eine Interception) seinen Rhythmus und brachte danach 17 von 20 Pässen für 239 Yards an. Drake London sammelte 194 Receiving Yards, darunter ein 68-Yard-Pass bei 3rd-and-2 im vierten Viertel. Dazu kommt ein Time-of-Possession-Verhältnis von 37:05 zu 22:55. Die Defense stand fast zwei Drittel des Spiels auf dem Feld und das merkte man ihr gegen Ende an.

Special Teams

Waren die Special Teams in den ersten beiden Spielen noch ein Lichtblick, zumindest im Return Game, so galt gegen Falcons wieder das alte Kredo der Packers Special Teams: kompetent, bis sie es dann eben nicht mehr sind. Zwar lieferte Punter Daniel Whelan mit 50,0 Yards im Schnitt und vier Punts innerhalb der 20 ein starkes Spiel ab. Auch Returner Skyy Moore spielte solide und brachte fünf Kickoff Returns im Schnitt 26,8 Yards zurück. Doch dann kam der Field Goal Versuch beim Stand von 7:10. Trey Smack aus 47 Yards, eigentlich eine sichere Sache, doch Zach Harrison kommt durch und blockt das Field Goal. Zu allem ironischen Übel kommt noch hinzu, dass das Falcons Special Team beim Spielzug nur zu zehnt auf dem Feld standen. Statt Ausgleich ging es mit 7:17 in die Pause, denn die Falcons marschierten im Gegenzug 63 Yards und erzielten 59 Sekunden vor der Halbzeit durch Austin Hooper einen Touchdown.

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend kann man festhalten, dass die Packers nach drei Spielen kein einzelnes Problem haben, sondern vor einem Scherbenhaufen stehen. Tucker Kraft wirkt wie die Hülle seiner selbst. Christian Watson kann im Laufspiel nicht mehr blocken. Jordan Love steht völlig neben sich und wirkt verunsichert. Die Special Teams, in den ersten beiden Spielen noch ein Lichtblick, lassen ein geblocktes Field Goal zu. Und Matt LaFleur scheint keine Antworten zu haben. Ohne Laufspiel landen die Packers am laufenden Band in langen dritten Versuchen und dort werden Pässe fallen gelassen oder landen im Niemandsland. Und je länger die eigene Offense vom Feld ist, desto länger muss die Defense auf dem Rasen stehen. Bisherhat sie dabei das Team getragen, doch das Kartenhaus, dass die Packers dieses Jahr ein Defense-First-Team werden könnten, ist gestern krachend eingestürzt.

Immerhin kommt jetzt die Mini-Bye. Die Packers haben zehn Tage Zeit, bevor es am Sonntag, 4. Oktober, nach Tampa Bay geht. Doch nach dem bisher Gezeigten muss bezweifelt werden, dass es Luke Butkus gelingt, in dieser Zeit aus der Offensive Line eine wenigstens halbwegs brauchbare Einheit zu formen. Auch wie das völlig leblose Laufspiel irgendwie belebt werden könnte, steht in den Sternen. Mit 17 Rushing Yards lässt sich kein NFL-Spiel gewinnen. Ohne schwarz malen zu wollen, aber finden Defense und Special Teams nicht zur Form der ersten beiden Spiele zurück, können wir uns auf eine lange Saison einstellen.

Trotzdem wie immer #gopackgo

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