Ein Sieg, der sich wie eine Niederlage anfühlt: Nach dem verpatzten Auftakt hätten die Packers gegen die Jets ein Zeichen setzen können, stattdessen quälten sie sich zu einem 20:17 in der Overtime – gegen eines der schwächsten Teams der Liga. Zwei Probleme liegen dabei mehr als offensichtlich auf der Hand. Erstens die Strafen: Schon in Woche 1 teilten sich die Packers mit den Bears die Spitze (je zwölf), nach Woche 2 sieht die Statistik so aus:

Die Packers kassieren doppelt so viele Strafen wie der Ligadurchschnitt (13,9) und liegen bei den Strafyards 72 Yards vor dem Team auf Platz 29. Schon während des Spiels stellten die Packers einen eigenen Rekord ein:
Das zweite Problem war die Offense, die diese Yards nicht zurückholen konnte: 199 Total Yards, 16 First Downs (vier davon geschenkt durch Jets-Strafen) und nur ein Third-Down-Erfolg bei neun Versuchen.
Die Offensive Line hatte erneut einen schwachen Tag, und er endete mit schlechten Nachrichten: Zach Bako-Bewele zog sich einen kompletten Riss der Patellasehne im rechten Knie zu und fällt für den Rest der Saison aus. Aaron Banks, Donovan Jennings und Jacob Monk fielen im Verlauf des Spiels ebenfalls aus. Die Personalsituation in der Offensive Line war derart angespannt, dass gemäss Matt LaFleur der Coaching Staff Tucker Kraft auf einen Einsatz als Offensive Tackle vorbereitete, sollte sich noch ein O-Liner verletzen. Wer von den Verletzten bis zum Thursday Night Game zurückkehren kann, steht noch nicht fest, wird aber auf die Stabilität der Offensive Line einen grossen Einfluss haben. Wenigstens kommt der Gegner gelegen: Mit den Falcons gastiert wohl eines der schwächsten Teams der Liga im Lambeau Field.
Auf einen Blick
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- Wann? Freitag, 25.09.2026 / 02:15 Uhr
- Wo? Lambeau Field, Green Bay, Wisconsin
- Sender/Kommentatoren US-Feed: Prime Video / Al Michaels, Kirk Herbstreit, Kaylee Hartung (FR)
- Sender/Kommentatoren Deutschland: Gamepass by DAZN; RTL & Sky Sport (Jan Weinreich, Valentin Rödiger)
Wie lief die (Off-)Season der Falcons
Während sich bei den bisherigen Packers-Gegnern nur teilweise etwas verändert hat, wurde in Atlanta vor allem der Staff umgebaut. General Manager Terry Fontenot und Head Coach Raheem Morris mussten gehen. Falcons-Legende Matt Ryan ist nun President of Football, also das Bindeglied zwischen Owner und GM, und damit faktisch dem GM übergeordnet. Ryan war entsprechend auch in die GM und Head Coach-Suche eingebunden. Neuer GM ist Ian Cunningham (zuvor Bears). Als Head Coach holte man Kevin Stefanski (zuvor Browns), einen der begehrtesten Kandidaten im diesjährigen Head-Coach-Cycle. Mit ihm veränderte sich auch das Coaching-Team, vor allem in der Offense.
Die größte Veränderung im Kader betraf die Quarterback-Position. Nach Michael Penix‘ Kreuzbandriss im November 2025 musste für den eigentlichen Starter ein Ersatz her. Kirk Cousins (jetzt Las Vegas Raiders) wurde das nicht mehr zugetraut und er wurde entlassen. Das kostete 35 Millionen Dollar Dead Cap, setzte aber einen endgültigen Schlussstrich unter diese Fehlentscheidung. Stattdessen verpflichtete Cunningham Tua Tagovailoa, der sich jedoch im Training Camp eine Bauchmuskelverletzung zuzog. Deshalb bestritt Cooper Rush, eigentlich die Nummer drei, die ersten beiden Saisonspiele.

Zwei Spiele, 16 Punkte, fünf Interceptions davon zwei Pick Sixes: Die Bilanz der Falcons unter Cooper Rush liest sich ernüchternd. Gegen die Steelers (13:20) gab es 143 Passing Yards und zwei Interceptions. Gegen die Panthers (3:34), die eine Woche zuvor 59 Punkte von den Bears kassiert hatten, waren es 129 Passing Yards und drei Interceptions. Einziger Lichtblick: 157 Rushing Yards. Über 24 Drives ergibt sich folgendes Bild:
Das ist zu wenig, und genau das soll sich gegen die Packers ändern. Penix wurde am Montag bereits zum Starting Quarterback gegen die Packers ernannt. Dieser herbeigesehnte Quarterback-Wechsel hebt die individuelle Qualität auf der wichtigsten Position deutlich an, denn die Umstände, vor allem in der Offense, sind gar nicht so schlecht.
Stärken des Gegners
Das einzig Positive aus Falcons-Sicht war bisher das Run Game, allen voran Bijan Robinson. Er ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Offense, das zeigte schon Woche 1: 173 von 283 Yards kamen durch ihn, absurde 62 Prozent. In Woche 2 verteilte sich die Last besser. Kyle Pitts fing seine erste Reception der Saison, Drake London führte die Falcons mit vier Catches für 51 Yards an. Diese Balance ist es, was Atlanta eigentlich ausmacht: ein Top-10-Tight-End, ein Top-10-Wide-Receiver und mit Bijan Robinson vielleicht der beste Running Back der Liga.
Neben Bijan muss die Packers-Defense auch Brian Robinson im Blick behalten, der seit dieser Saison das Backfield ergänzt. Davor steht weiterhin eine der besseren Run-Blocking-Lines der Liga. Atlanta will Spiele mit dem Laufspiel dominieren und kontrollieren. Das Passspiel ergänzt es aus engen, schweren Formationen (mehrere Tight Ends) mit Play-Action: Kurze Pässe und Yards after Catch sollen Druck vom Quarterback nehmen und Rhythmus in die Offense bringen.
Schwächen des Gegners
Die größte Schwäche der Falcons ist ausgerechnet ein Bereich, der letzte Saison noch wie eine Stärke aussah: der Pass Rush bzw. die Defensive Line. Mit 57 Sacks war Atlanta Zweiter der Liga. Allerdings wurde in keiner anderen Defense ein höherer Anteil der Pressures zum Sack (38,5 Prozent). Das klingt zwar gut, doch Sacks sind sehr volatil und lassen sich nur schwer von einer Saison in die nächste übertragen.

Erst recht gilt das, wenn das Personal ein anderes ist: Von den zwölf Spielern, die letzte Saison mehr als 1,5 Sacks für Atlanta erzielten, stehen nur noch vier unter Vertrag: James Pearce, Brandon Dorlus, Jalon Walker und LaCale London. Doch selbst dieses Quartett steht nicht vollständig zur Verfügung. Pearce ist für acht Spiele gesperrt. Laut Medienberichten soll er seine Ex-Freundin, die WNBA-Spielerin Rickea Jackson, mit dem Auto verfolgt und ihren Wagen gerammt haben. Auf der Flucht vor der Polizei soll er zudem einen Beamten verletzt haben. Walker erlitt im Training Camp einen Kreuzbandriss und fällt die gesamte Saison aus. Dorlus und London sind Rotationsspieler, die in dieser Saison noch nicht nennenswert in Erscheinung getreten sind.
Neu dabei ist unter anderem ein alter Bekannter: Za’Darius Smith. Der Ex-Packer ist bisher Atlantas bester Pass Rusher und kommt schon auf 2,5 Sacks. Die restliche Rotation besteht aus Maason Smith, Gervon Dexter und Samson Ebukam, die an ihren bisherigen Stationen allesamt nicht restlos überzeugen konnten.
Key Matchups
Packers Jordan Love vs. Falcons PassRush
Kann Jordan Love wieder in einen Rhythmus finden? Das hängt davon ab, wie viel Zeit ihm die Offensive Line gibt. Gegen die Jets stand Jordan Love zwar nicht übermäßig unter Druck, aber neun Pressures gegen ihn führten zu drei Sacks. Diese Quote ist damit ähnlich hoch wie Atlantas Sack-Quote aus dem Vorjahr. Love warf den Ball nach durchschnittlich 2,35 Sekunden, nur Cooper Rush (Falcons) war am Wochenende noch schneller. In seiner Karriere liegt Loves Wert bei 2,7 bis 2,8 Sekunden. Die Folge waren viele kurze Pässe, aber kein Rhythmus. Damit sich der einstellt, braucht Love mehr Zeit, und die muss ihm die Offensive Line geben. Der Falcons-Pass-Rush ist nicht überragend, aber gegen die aktuelle Offensive Line der Packers muss er es auch nicht sein.
Packers (Run) Defense vs. Bijan Robinson
Egal, wer bei den Falcons Quarterback spielt: Der Schlüssel bleibt Bijan Robinson. Die Packers-Run-Defense bietet dafür gute Voraussetzungen. Bei den totalen Zahlen wie Touchdowns, Yards und First Downs liegt sie im Mittelfeld, aber nimmt man die Anzahl an Runs dazu ist sie spitze: Mit 2,9 Yards pro Versuch ist sie Zweiter (Ligaschnitt 4,2), bei EPA Fünfter, bei der Success Rate wieder Zweiter. Nimmt Green Bay den Falcons das Laufspiel, ist der zweite Saisonsieg in Reichweite.
Fazit
Es ist erst Woche 3, und trotzdem fühlt sich vieles anders an als vor einem Jahr. Damals waren die Packers auf Playoffkurs, und rund um Jordan Love stand ein Kader, der Hoffnung auf den großen Wurf machte. Jetzt stehen eine Niederlage und ein sehr schwacher Overtime-Sieg zu Buche. Zu viele Strafen, eine wackelnde O-Line und fehlende Topleistungen geben weder den Fans Glauben noch dem Team Selbstvertrauen. Gegen die Falcons bietet sich die Gelegenheit, das zu ändern: mit weniger Strafen, mehr Zeit für Love und einer Run Defense, die Bijan Robinson stoppt. Ein Pflichtsieg reicht dafür nicht, es braucht einen, der zeigt, wohin diese Saison gehen kann.
Tipp: 21:17 Packers
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