Manchmal liegt auf dem Weg ein Stein, über den man gut und gerne stolpern könnte. Doch man entdeckt ihn rechtzeitig und versucht ihn aus dem Weg zu räumen. Das bedarf überraschend harter Arbeit, aber Stück für Stück kommt man dem Ziel näher. Doch kurz vorm Ziel, die Hände sind rutschig, fällt einem der Stein runter auf den Fuß. Und dann liegt man doch am Boden. So ungefähr fühlt sich die Niederlage der Packers gegen die Browns an. Mit 10:13 geht man sang- und klanglos aus Cleveland nach Hause und muss sich fragen: Wie konnte das passieren? Doch von vorne!
Auf einen Blick
- Defense-Schlacht auf höchstem Niveau
- Erneut viele Strafen
- Offensiv läuft nichts zusammen
- Browns drehen das Spiel in 41 Sekunden
Die Ausfälle
Der Ausfall von Jayden Reed war bereits länger klar. Vor dem Spiel standen aber noch große Fragezeichen über Tucker Kraft, der sich im Training eine Knie-Verletzung zugezogen hatte, sowie Zach Tom, der bereits in der Vorwoche pausieren musste. Beide waren aber zu Spielbeginn fit genug um aufzulaufen.
Bei Tom allerdings war schnell wieder Schluss: Bereits im allerersten Snap erlitt er eine Verschlimmerung der bereits bestehenden Verletzung und blieb für den Rest des Spiels draußen. Wie sich zeigen sollte ein folgenschwerer Verlust gegen eine bärenstark aufspielende Defensive Front der Browns.
Defensive Dominanz von Anfang an
Im ersten Viertel taten sich beide Teams offensiv schwer. Oder besser: Beide Defenses verhinderten größere Raumgewinne und dominierten die jeweilige Offense nach Belieben. Nachdem die Browns im ersten Drive lediglich 18 Yards in gut 4 Minuten erzielen konnten und an der Green Bay 44 punten mussten, erging es Jordan Love und Kollegen nicht besser: Matthew Goldens 8 Yards im ersten Play sowie eine 5 Yard Strafe machten in Summe 3 Yards Raumgewinn – Punt. Und auch der nächste Browns Drive fand schnell ein Ende durch einen Punt.
Dann begann das Spiel ungefähr so zu laufen, wie man es vorher erwartet hatte: Jordan Love mit einigen Pässen und Josh Jacobs bewegten den Ball langsam, aber stetig das Feld herunter und nahmen dabei die verbliebenen 7 Minuten und 16 Sekunden des ersten Viertels von der Uhr. Zurück auf dem Feld verfehlte Love dann aber im dritten Versuch Dontavion Wicks – auch hier wieder ein großartiges defensives Play von Denzel Ward. Brandon McManus vollendete den Drive dann mit einem Field Goal zum 3:0.
Bis zur Halbzeitpause waren es dann wieder und wieder die Defenses, die dem Spiel ihren Stempel aufdrückten. Sacks, Pressures und nicht zuletzt auch Strafen sorgten dafür, dass keines der beiden Teams bis zur Halbzeit nochmal aufs Scoreboard kommen sollte. Aus Sicht der Packers fühlte es sich zu diesem Zeitpunkt schon so an, als würde alles in der Offense irgendwie schwerfallen.
Endlich ein Touchdown
Auch in der zweiten Hälfte ging es zunächst weiter wie zuvor. Eine 5 Yard Strafe und ein weiterer Sack (insgesamt konnte Cleveland 5 mal zu Jordan Love durchkommen) beendeten schnell wieder den Drive. Doch die Green Bay Defense hielt ebenfalls stand und zwang die Browns abermals zum Punt.
Dann endlich der erlösende Drive: Mit Läufen von Savion Williams, Emanuel Wilson und immer wieder Josh Jacobs, der auch einen 31 Yard Pass von Jordan Love fangen konnte, stand man an der 3 Yard Linie der Browns. Und endlich fand Love seinen Mann in der Endzone: Tight End John Fitzpatrick ging der Browns Defense verloren und Love hatte leichtes Spiel. Touchdown zum 10:0.
Zu diesem Zeitpunkt war mein Eindruck, die Packers würden das Spiel jetzt nach Hause bringen. Ja, die Offense war schwerfällig, aber gut – die Cleveland Defense spielte stark auf, die O-Line der Packers ohne Zach Tom war dem nicht so richtig gewachsen, aber mit der eigenen Defense und den 10 Punkten Vorsprung sollte es gegen die Browns wohl reichen.
41 fatale Sekunden
Und auch im 4. Viertel sah es lange danach aus, als sollte mich mein Gefühl nicht täuschen. Vier Punts später mit noch 9:26 auf der Uhr kamen die Browns wieder zum Angriffsrecht. Es wurde der Drive von Quinshon Judkins und Harold Fannin, den beiden Rookies der Browns.
Judkins für 58 Yards in 5 Rushes sowie Fannin mit einer 13 Yard Reception sorgten für einen großen Teil der erzielten Yards. Mit einer Strafe gegen Green Bay standen die Browns nach gut 6 Minuten an Green Bays 8 Yard Linie. Doch die Defense hielt. Zunächst zwei gestoppte Versuche wurden durch eine weitere Strafe (Pass Interference) zunichte gemacht. Aber auch die neuen 4 Versuche reichten nicht, um einen Touchdown zu erzielen. Mit nur noch 3 Minuten und 45 Sekunden Zeit erzielte Cleveland das Field Goal zum 10:3.
Aber manchmal, wenn alles schwerfällt und nichts richtig ineinandergreift, kommt das dicke Ende zum Schluss. So auch heute: Nur drei Plays später war es Grant Delpit mit einem beeindruckenden Read, der Jordan Loves Pass abfängt und den Ball 25 Yards zurück an die 4 Yard Linie trägt. Eine weitere Pass Interference Strafe und ein 1 Yard Run von Judkins sorgten dann für den Ausgleich. Cleveland hatte innerhalb von 41 Sekunden 10 Punkte gescored und das Spiel war wieder ausgeglichen.
Der Nackenschlag am Ende
Aber das war noch nicht das Ende! Das Momentum hatte sich gedreht, doch Green Bay schlug zurück. 18 Yards auf Tucker Kraft reichten, um in Field Goal Range zu kommen und 3 weitere Runs von Jacobs nahmen reichlich Zeit von der Uhr. Jetzt musste nur noch McManus aus 43 Yards das Field Goal versenken und Cleveland wäre der Zahn gezogen. Nur noch 27 Sekunden hätten niemals reichen können, um erneut auszugleichen bei der defensiven Glanzleistung.
Doch es kam anders: Shelby Harris, Defensive End, schraubt seine 131 kg in die Luft und bringt eine Hand an den Kick – blocked field goal. Die Recovery gelingt dann Greg Newsome an der 52 Yard Linie. Eine weitere Strafe sowie zwei schnelle Pässe von Joe Flacco ermöglichen es dann auf der anderen Seite Andre Szmyt das Spiel mit einem 55 Yard Field Goal zu beenden. Und das gelingt. Das Endergebnis lautet 10:13, die Packers verlieren gegen ein Team, das vor allem offensiv zu den schwächeren Gegnern der Saison gezählt wurde.
Fazit
Was kann man aus so einem Spiel mitnehmen? Der Blick in die harten Statistiken bringt eigentlich nur eine Erkenntnis: In fast allen Bereichen waren Cleveland und Green Bay heute gleich auf. Für ein Team, dass sich Hoffnungen auf eine Teilnahme am Super Bowl macht, ist das vor allem in der Offense einfach nicht genug.
Ja, es waren wieder viele Strafen (14 für 75 Yards bei Green Bay, 8 für 90 Yards bei Cleveland). Das kann man abstellen. Der entscheidende Punkt ist meiner Meinung nach aber ein anderer: Die O-Line muss wieder stabiler werden (das war sie in den ersten beiden Wochen) und Jordan Love muss es schaffen, die Offense konstanter übers Feld zu bewegen. Das ist nicht allein seine Aufgabe, auch das Play Calling darf man an dieser Stelle hinterfragen und kritisieren.
Aber vielleicht ist es auch einfach so: Es gibt Tage, an denen will einfach nichts leichtfallen. An solchen Tagen verliert man unglücklich und vielleicht ein bisschen dumm gegen Cleveland. Und in der nächsten Woche rappelt man sich auf und zeigt wieder ein anderes Gesicht. Hoffentlich ist bald Sonntag!

2 Gedanken zu „Ein Tag zum Vergessen – Review Week 3 Packers at Browns“