Nach zwei überzeugenden Vorstellungen zu Beginn kam die Niederlage gegen die Browns in Woche 3 überraschend und schmerzhaft. Die Träume von einer dominanten Saison mit dem fast schon unausweichlichen Einzug in den Superbowl erhielten einen herben Dämpfer. Jetzt heißt es aufstehen, Krone richten, weitermachen. Gegen die Cowboys wird nicht weniger als ein dominanter bounce back erwartet!
Auf einen Blick
- Wann? Montag, 29. September 2025 / 02:20 Uhr
- Wo? AT&T Stadium, Arlington (TX)
- Sender/Broadcasting Crew US-Feed: NBC / Mike Tirico, Cris Collinsworth, Melissa Stark (FR)
- Sender/Kommentatoren Deutschland: Gamepass by DAZN
- Schiedsrichter: Ron Torbert
- Wetterprognose: leicht bewölkt, ca. 28 Grad, Stadion voraussichtlich geschlossen
Offseason der Cowboys
Die größte Storyline der Off-Season kam erst ganz zum Schluss – und die Packers waren direkt betroffen: Der Trade von Micah Parsons zu den Packers überlagerte alle anderen Bewegungen im Roster der Cowboys bei weitem!
Aber auch schon davor gab es bei Dallas einige nennenswerte Veränderungen. Der Abschied zweier langjähriger Führungsspieler (Zack Martin, Retirement und Demarcus Lawrence, zu den Seattle Seahawks) stellte Dallas sowohl in der O-Line als auch im Pass-Rush vor eine Neuorientierung. Die Lücken sollten mit Solomon Thomas (DT, Free Agent) und Payton Turner (DE, Free Agent) sowie den ersten beiden Draft Picks Tyler Booker (O-Line, Pick 12), Donovan Ezeiruaku (D-Line, Pick 44) adressiert werden.
In der Defense wurde zusätzlich die Cornerback-Gruppe runderneuert: Mit Kaiir Elam, einem ehemaligen First Round Pick der Buffalo Bills, sowie dem eigenen Drittrunden-Pick Shavon Revel Jr. setzte man auf frisches Blut. Revel aber findet sich gerade auf der Non Football Injury List wieder und verpasst mindestens die ersten 6 Wochen.
Die Offense um Dak Prescott – in der Vorsaison sicherlich die bessere Unit der Cowboys – wurde mit George Pickens als zweiter Receiver hinter Ceedee Lamb um ein explosives Element ergänzt. Javonte Williams und Viertrundenpick Jaydon Blue wurden als neue Running Backs geholt.
Alle Moves sprachen eine eindeutige Sprache: Dallas sieht sich konkurrenzfähig und will angreifen. Doch dann kam der Micah Parsons Trade und die Saison steht unter einer anderen Storyline: Kann Dallas diesen Weggang kompensieren?
Bisher geht der Plan nicht auf
Die Cowboys stehen nach 3 Spieltagen mit einem Record von 1-2 in der NFC East derzeit auf Rang 3 hinter den Eagles (3-0) und den Commanders (2-1). Mit insgesamt 1181 offensiven Yards (Platz 4) und 93 erfolgreichen Pässen (Platz 1) steht die Offense zwar ziemlich gut da, die Defense sieht dagegen bisher desolat aus. Die 1193 erlaubten Yards sind der drittschlechteste Wert (hinter Ravens und Giants) der Liga. In Yards per play allowed liegt man sogar auf dem vorletzten Platz (6,5 Y/P), was nur noch die Bears mit 6,7 Y/P toppen.
Die Zahlen sprechen für sich, doch auch der eye-test macht nicht viel Hoffnung. Wer das Spiel gegen Chicago in Woche 3 gesehen hat kommt nicht drumherum: Die Defense der Cowboys ist momentan nicht auf konkurrenzfähigem Niveau. Ohne Parsons, Lawrence und Martin fehlt der Punch, aber auch Führung und Konstanz sind nicht zu sehen.
Dazu kommt eine schwere Hypothek insbesondere in knappen Spielen: die Turnover-Differenz von -5 ist besorgniserregend.
Verletzungen auf beiden Seiten
Auf Seiten der Cowboys verzeichnete man neben den Langzeit-Verletzten (Shavon Revel, Cooper Beebe, Payton Turner, Jonathan Mingo) in Woche 3 einen besonders schmerzhaften Ausfall: CeeDee Lamb (WR) musste schon im ersten Viertel mit einem high ankle sprain das Spiel verlassen und verpasst mindestens zwei Spiele. Die gleiche Verletzung erlitt auch Tyler Booker (OG), der voraussichtlich sogar 4-6 Wochen ausfällt. Beides stellt eine klare Schwächung der Offense dar.
Aber auch die Packers müssen auf Leistungsträger verzichten. Jayden Reed (WR, Schlüsselbeinbruch) und Christian Watson (WR, ACL) tauchen nach wie vor auf dem Injury Report auf. Dazu musste Zach Tom (OT) im Spiel gegen die Browns gleich im ersten Snap vom Spielfeld. Möglicherweise ist seine bekannte Verletzung wieder aufgebrochen. Für das Spiel gegen die Cowboys ist er momentan questionable, aber selbst wenn er fit genug ist, kann man darüber nachdenken ihn vor der Bye-Week nach dem Dallas-Spiel zu schonen.
Ebenso questionable sind darüber hinaus Guard Aaron Banks (Leiste), Defensive Tackle Devonte Wyatt (Knie-Verletzung) und Safety Javon Bullard (Concussion Protocoll). Hier gilt es, die kommenden Injury Reports im Auge zu behalten. Alle drei wären schwer gleichwertig zu ersetzen.
Die Packers haben bereits reagiert und Offensive Tackle Brant Banks aus dem Practice Squad in den aktiven Kader verpflichtet. Er nimmt nun eine der 53 festen Kaderplätze ein. Sicherlich eine Reaktion auf die angeschlagenen Spieler.
Stärken des Gegners
Wie bereits beschrieben ist die absolute Stärke der Dallas Cowboys ihre Passing Offense. Mit CeeDee Lamb fällt aber nun das Herzstück dieser Unit aus. Es bleibt abzuwarten, ob George Pickens als de facto Nummer 1 diesen Ausfall kompensieren kann.
Die weiteren Receiving-Optionen in Jalen Tolbert, KaVontae Turpin (beide WR) sowie Jake Ferguson und Luke Schoonmaker (beide TE), möglicherweise ergänzt um Runninback Jaydon Blue werden ebenfalls ihren Teil dazu beitragen müssen, damit gegen die Packers weitere offensive Yards verbucht werden können. Dak Prescott auf Quarterback ist jedenfalls jederzeit in der Lage, ein gutes Spiel aufzulegen.
Auf dem Papier sollte aber auch der Edge Rush trotz des Abgangs von Micah Parsons noch zu den besseren der Liga zählen. Mit 13 Hurries in drei Spielen liegt man auch auf Platz 5, aber das lässt sich bislang weder in Pressures noch in Sacks umwandeln.
Schwächen des Gegners
Die Dallas Cowboys haben ein ernstzunehmendes Problem in der Defense. Ich möchte hier keine einzelne Unit herausnehmen. Vielmehr lohnt sich der Blick auf etwas, dass die Packers in ihrer Defense sehr deutlich andersherum zu spüren bekommen haben: Der “Micah-Parsons-Effekt“. Genau wie Parsons die Packers Defense mit seiner schieren Präsenz auf ein neues Level hebt, so schwächt dieser fehlende Effekt die gesamte Cowboys-Defense in dieser Saison auf allen Ebenen.
Wie schwer es ist, Parsons Abgang zu kompensieren, merkt gerade auch Dallas’ Defensive Coordinator Matt Eberflus. Die einzelnen Units haben durch die Bank Probleme mit Fehlzuteilungen und Kommunikation untereinander. Das hat zwar nicht nur mit Parsons zu tun – auch eine Menge Rookies müssen integriert werden – sorgt aber immer wieder für Probleme.
Hervorzuheben ist an diese Stelle auch noch einmal das katastrophale Verhältnis von erzielten Takeaways der Defense zu Turnovers der eigenen Offense. Diese Statistik ist sehr volatil, es kann sich also schnell ändern, aber es ist auffällig, dass sich die Cowboys in den ersten drei Spielen speziell in entscheidenden Momenten (Red Zone, wichtige 3rd downs) selbst in Schwierigkeiten bringen. Das gilt es dringend abzustellen.
Key-Matchups
Kann Green Bays Pass Rush wieder Druck entfalten?
Die beste Chance und potenziell die Grundlage für Green Bay hier wieder in die Spur zu finden ist die dezimierte O-Line der Cowboys. Starting Center Cooper Beebe und jetzt auch noch Right Guard Tyler Booker fallen aus. Das kann für die stark aufspielende Defense rund um Micah Parsons Tür und Tor öffnen, Dak Prescott permanent unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen.
Wenn das gelingt, dürften sich die Cowboys ähnlichen Schwierigkeiten wie die Browns gegenübersehen, Punkte aufs Board zu bringen. Prescott wird nicht viel Zeit finden, den Ball loszuwerden. Und es fehlt seine wichtigste Anspielstation mit CeeDee Lamb. Vielleicht ist Jake Ferguson in diesem Spiel der Pass-Empfänger, auf den die Coverage besonderes Augenmerk legen sollte.
Kommt das Passspiel wieder in die Spur?
Der erschreckend blutleere Auftritt der Packers Offensive gegen die Browns war hoffentlich nur ein Ausrutscher. In diesem Spiel muss ein deutlicher Schritt nach vorne zu erkennen sein, wenn man den dritten Sieg vor der Bye-Week einfahren will. Das beginnt natürlich bei Jordan Love. Gegen die Browns muss man ihm zumindest die fatale Interception vor dem Ausgleich ankreiden, die die Tür für Cleveland erst wieder aufgestoßen hat.
Immerhin sollte der Druck auf Love durch den Dallas Edge Rush deutlich niedriger ausfallen als gegen Myles Garrett und Kollegen in der Vorwoche. Das müsste Jordan Love die nötige Zeit verschaffen, um Golden oder Reed auf tieferen Routen in Szene zu setzen. Einzig die dezimierte O-Line der Packers muss funktionieren – eine schwierige Aufgabe für die Backups.
Aber Vorsicht: Die Cornerback-Gruppe erhält neben Trevon Diggs und Kaiir Elam möglicherweise wieder eine deutliche Verstärkung: DaRon Bland könnte von seiner Verletzung zurückkommen. Diese Ballhawks muss Love im Blick behalten, um nicht erneut eine Interception zu riskieren.
Bekommt Josh Jacobs endlich mehr Räume?
In den bisherigen Spielen der Saison war das Run Game der Packers nicht das, was es in der Vorsaison war. Josh Jacobs war zwar ein permanenter Faktor, aber wirkliche Big Plays waren dennoch Mangelware. Auch hier steht die O-Line im Fokus: Im Durchschnitt erlaubt sie Jacobs lediglich 1,6 Yards pro Versuch vor dem Kontakt. Das ist in den Top 15 der Running Backs nach Gesamt-Yards der schlechteste Wert. Zum Vergleich: Jonathan Taylor hat als führender nach Gesamt-Yards einen Wert von 2,1 Yards vor dem ersten Kontakt, den Top-Wert von 6 Yards vor dem Kontakt hat David Montgomery.

Schafft es die O-Line, die wahrscheinlich ohne Zack Tom und Aaron Banks auskommen muss, mehr Räume für das Laufspiel zu öffnen, hilft das auch dem Passspiel. Dann sollten hier wieder deutlich mehr Punkte möglich sein als gegen die Browns. Die Chicago Bears haben in der letzten Woche vorgemacht, wie es gehen kann.
Prognose
Der Hype-Train der ersten zwei Wochen ist noch nicht entgleist. Ich bin überzeugt, die Niederlage gegen die Browns war ein Ausrutscher und hatte den wichtigen Lerneffekt, dass in der NFL kein Gegner zu unterschätzen ist. Das haben die Packers begriffen und zeigen gegen die Cowboys wieder was das Team kann. Die makellose Bilanz im AT&T Stadium wächst auf 6-0 (7-0 wenn man den Super Bowl XLV mit einbezieht) und es geht mit Rückenwind in die Bye-Week, bevor dann ab Woche 6 die Weichen auf Playoffs gestellt werden sollen.
Tipp: 23:13 Packers

Ein Gedanke zu „Zurück auf Kurs – Preview Week 4 Packers at Cowboys “