Stolpern die Packers als klarer Favorit? – Preview Week 3 at Browns

Nach einem überzeugenden Auftritt in Woche 2, warten nun die Browns und das auswärts in Ohio. Das ist auch gleich das erste Auswärtsspiel in dieser Saison. Dennoch sehen die Quoten die Packers mit 7,5 Punkten deutlich vorne.

In der „Love Ära“ (seit 2023) hatten die Packers insgesamt elf Spiele, in denen der Spread (Wettquoten) die Packers mit mehr als drei Punkte vorne sahen. Jordan Love und Co. gewannen davon acht Spiele. Die 3 Niederlagen waren gegen die New York Giants (2023 / Spread 6,5 / Niederlage mit 22:24), Tampa Bay Buccaneers (2023 / 3,5 / 20:34) und im letzten Spiel letzte Saison gegen die Chicago Bears (9,5 / 22:24). Das ist eine merkliche Steigerung zu 2022, wo man in einem Stretch von fünf Spielen gleich vier dieser „Favoritengames“ in Folge verloren hatte (u.a. auch das London Game gegen die New York Giants).

Quelle: Wikipedia, Spielplan der Packers 2025; https://en.wikipedia.org/wiki/2025_Green_Bay_Packers_season

Viele dieser vermeintlich „einfachen“ Spiele wird es dieses Jahr zum jetzigen Stand nicht geben, dafür ist der Schedule viel zu stark. Aber die Spiele gegen die Browns, die Panthers, Giants und das heiß erwartete Spiel gegen die Dallas Cowboys in Woche 4 sollten zu diesen Spielen gehören. Im vorherigen Schaubild wurden genau diese Partien gelblich hervorgehoben.

Auf einen Blick

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  • Wann? Sonntag, 21.09.2025 / 19:00 Uhr
  • Wo? Huntington Bank Field, Cleveland, Ohio    
  • Sender/Kommentatoren US-Feed: FOX / Kevin Kugler, Daryl Johnston, Allison Williams (FR)
  • Sender/Kommentatoren Deutschland: Gamepass by DAZN, REDZN, ENDZN
  • Schiedsrichter: Carl Cheffers
  • Wetterprognose: Gewitter bei 21°C

Wie lief die bisherige Offseason der Browns

Um sich in die aktuelle Lage der Browns zu versetzen muss man etwas früher anfangen. 2018 draftete man mit Baker Mayfield den vermeintlichen Heilsbringer, nachdem man 2016 und 2017 zusammen lediglich einen Sieg holen konnte. Mayfield blieb inkonstant, und nach 2021 trennten sich die Browns von ihm. Stattdessen wagten sie den Mega-Trade für Texans-Quarterback Deshaun Watson. Dieser sah sich allerdings mit einer Klage von über 20 Frauen, die ihm sexuelle Übergriffe vorwarfen konfrontiert. Das hielt die Browns aber nicht davon ab unter anderem 3 First Round Picks sowie einen voll garantierten Vertrag über 230 Millionen Dollar zu bezahlen. Sportlich lief es für Watson in Cleveland bislang nicht. Nach Sperren und einer Vielzahl von Verletzungen stehen nach drei Jahren bislang 19 Spiele. Die wenigsten davon waren überzeugend.

Ein neues Kapitel

Watson ist nicht die Zukunft in Cleveland und das haben die Browns auch eingesehen. Dieses Jahr hatten sie das erste Mal seit dem Trade wieder einen First Round Pick (#2 Pick Overall) und sind zurück getradet, um mehr Draftkapital einzusammeln. Der Kader hatte einen Umbruch dringend nötig. Am Ende waren es sieben Draftpicks, davon fünf in den ersten drei Runden. Die ersten beiden Picks wurden in die Defensive gesteckt: In Runde 1 wurde Defensive Tackle Mason Graham gezogen, ein dominanter Run-Stopper von Michigan. Der Zweitrunden-Pick war Carson Schwesinger, ein schneller Linebacker mit sicherem Tackling. Der Rest ging in die Offense. Zweimal Quarterback, Zweimal Running Back und einmal Tight End.

Die beiden Quarterbacks standen dabei im Fokus. Man hatte vor dem Draft bereits Joe Flacco und Kenny Pickett im Kader. Nun folgte nicht nur Dillon Gabriel (Runde 3), sondern auch die Story des Drafts: Shedeur Sanders, der Sohn von Deion Sanders. Er galt als zweitbester Quarterback im Draft, doch die Kombination aus seiner polarisierenden Art, fehlender Highend Athletik, schlechten Interviews und der ständigen medialen Begleitung ließ Zweifel aufkommen, die letztlich einen beispiellosen Absturz im Draft auslösten.

So begleiteten sämtliche Stories rund um Sanders und den QB-Room nicht nur den Draft, sondern auch die Training Camps und die komplette Preseason. Doch auch eine andere Personalie hielt die Browns auf Trab. Quinshon Judkins, ein weiterer Zweitrunden-Pick, wurde am 12.07.2025 wegen häuslicher Gewalt verhaftet. Bis zum Saisonstart war nicht ganz klar, ob er diese Saison überhaupt bei den Browns spielen würde. Er hatte bis vor kurzem auch keinen gültigen Vertrag bei den Browns.  Für einen so hohen Draft-Pick keine guten Aussichten.

Leistung zu Saisonbeginn recht ordentlich, aber…

Unter all diesen Themen wirkte der Saisonbeginn zunächst fast nebensächlich, aber nach und nach richtete sich die Aufmerksamkeit wieder auf das Sportliche: Cleveland ist mit 0-2 in die Saison gestartet, hatte aber auch mit den Bengals in Woche 1 und den Ravens um Lamar Jackson am Sonntag sicherlich mit das schwerste Auftaktprogramm. Und gerade in Woche 1 konnte man dabei gegen die Bengals erstaunlich gut mithalten und war sogar das bessere Team. Ein Sieg wäre durchaus verdient gewesen. Am Ende waren es zu viele Fehler, die die Bengals ausnutzen und mit 17:16 gewinnen konnten. 

Auch in Woche 2 spielten die Browns lange auf Augenhöhe, dominierten in vielen Statistiken, verloren aber durch Turnover und Fehler 17:41. Ein Ergebnis, das deutlicher aussieht, als es das Spiel war. Zur Halbzeit stand es 3:10. Erst im vierten Quarter wurde es dann deutlich. 7:21 ging nur das letzte Viertel aus. Ansonsten hatte Cleveland mehr First Downs (17:14), mehr Yards (322 zu 242), die bessere 3rd-Down-Quote (38% zu 25%) und längeren Ballbesitz (ca. 3 ½ Minuten mehr). Doch es reichte dennoch nicht.

Stärken des Gegners

Dafür sorgen, dass es im dritten Spiel klappt, soll auf Seite Clevelands ähnlich wie in Green Bay unter anderem die Run Defense. Beide Teams stellen nach erlaubten Yards durch das Run Game die wenigsten Yards (CLE: 91 / GB: 97). Keine anderen Teams können dort nur annährend mithalten. Der Ligaschnitt ist bei 220 Yards. Nach Yards per Attempt liegt man ebenfalls klar auf Platz 1 und 2.

Quelle: Pro Football Reference, Run Defenses nach Woche 2 – sortiert nach Yards ;https://www.pro-football-reference.com/years/2025/opp.htm

Dabei ist die Run Defense der Browns sogar noch beeindruckender. Besonders auffällig war das gegen die Ravens. Derrick Henry verließ das Spiel mit elf Carries für 23 Yards und einem Schnitt von 2,1 Yards pro Run. Ein so niedriger Wert ist ihm bei den Ravens noch nie passiert (min. 3,5 Yards). Zuletzt hatte er am 31.12.2023 in einem damals sehr schwachen Titans Team eine so schlechte Quote. Ähnliches gilt bei Chase Brown (Running Back der Bengals). Er hatte seinen schlechtesten Yards per Carry Wert (2,0) in seiner Karriere (wenn man min. 4 Runs ansetzt). Sogar Lamar Jackson wurde unter 15 Yards Rushing gehalten. Das ist in den letzten drei Jahren nur einem Team gelungen (Denver 2022, 2024).

Möglich ist das durch Devin Bush, der eine ähnliche Rolle bei Cleveland spielt, wie Edgerrin Cooper bei den Packers und den weiter oben schon angesprochenen Mason Graham. Beide kommen auf mehrere Run Stops und können bei mehr als 10% ihrer Run Snaps einen Stop erreichen. Aber auch die Defensive Backs und die anderen Linebacker sind aufmerksam. Da macht sich auch die Addition von Schwesinger bemerkbar. Und dann ist da noch Myles Garrett, zu dem wir später nochmal kommen, jedes Tackling gegen den Run, das er setzt, hat bisher einen Raumverlust von durchschnittlich 1,7 Yards zur Folge gehabt.

Schwächen des Gegners

Das größte Problem der Browns ist aktuell, dass sie ihre ordentliche offensive Performance überhaupt nicht in Punkte umgewandelt bekommen. Nur 27,3% ihrer Drives enden in Punkten. Das ist Platz 31 in der NFL. Nur die Bears sind noch schlechter. Der Durchschnitt in der NFL liegt bei 41,3%. Daraus resultieren auch die fünftwenigsten Punkte generell (33). Das liegt unter anderem stark an der Turnover-Bilanz. Satte 18.2% der Drives enden in einem Verlust des Angriffsrechts. Mit drei Interceptions und einem Fumble Lost sowie weiteren zwei Turnovers on Downs enden insgesamt 25% der Drives in Turnovern. Da ist man in guter Gesellschaft mit den Dolphins, Panthers und Bears.

Quelle: Pro Football Reference, Prozentzahl Drives, die zu Punkten geführt haben; https://www.pro-football-reference.com/years/2025/index.htm

Das wird definitiv nicht leichter gegen die Packers. Green Bay ist bezüglich Turnovers bisher eher verhalten in die Saison gestartet. Bisher konnte lediglich ein Turnover in Form einer Interception von Evan Williams in Woche 1 erzielt werden. Letztes Jahr gehörten die Packers dort noch zu einem der gefährlichsten Teams in der NFL. In 2025 hat kein Team so viele 4th Down Versuche gegen sich gehabt wie die Packers (7). Vier davon konnten geschafft werden, was eine Quote von 57% entspricht. Das ist im Tabellenmittelfeld anzusiedeln. Es könnte gut sein, dass nach diesem Spiel noch weitere Turnover (on Downs) dazu kommen werden.

Key Matchups

Die Packers haben in vielen Mannschaftsteilen sicherlich ein Übergewicht an Talent und Qualität. Aber dennoch gibt es ein paar Dinge, die in diesem Spiel kritisch werden können, wenn sie in die aus Packers Sicht falsche Richtung laufen.

Packers Left Tackle Rasheed Walker vs. Browns Defensive End Myles Garrett

Myles Garrett spielt vorzugsweise auf der rechten defensiven Seite, sodass er hauptsächlich gegen unseren Left Tackle (Rasheed Walker) spielen wird. Walker erlaubte über die ersten beiden Spiele fünf Pressures und kassierte bisher keine Flagge. Er spielt bisher eine gute, aber nicht herausragende Saison. Nichts anderes als Elite-Fähigkeiten braucht man aber, um Myles Garrett aufhalten zu können. Er zeigte über die ersten beiden Spieltage, warum er vermutlich der beste Defensive Spieler der NFL ist. PFF führt ihn mit zehn Pressures (Platz 9 unter allen Verteidigern) und vier Sacks (Platz 1). Zudem gewinnt er 29,4% seiner Duelle im Pass Rush (Platz 2 unter allen Spielern mit 42 Pass Rush Snaps). Da wird sich Rasheed Walker warm anziehen müssen.   

Packers Linebacker vs. Browns Rookie Playmaker (Dylan Sampson, Harold Fannin Jr., Quinshon Judkins)

Dylan Sampson und Harold Fannin Jr. zeigten direkt die Vision, die das Front Office in ihnen sah. Beide werden bereits früh intensiv ins Kurzpassspiel eingebunden. So hat Sampson unter allen Running Backs die drittmeisten Catches für 77 Yards und 1 Touchdown. Er wird dabei aber im Schnitt 1,5 Yards hinter Line of Scrimmage angeworfen, sodass er ein einfaches Target für den Quarterback darstellt und dann mit Vorblockern Yards after Catch erzielen kann. Ähnlich sieht das bei Fannin Jr. aus, einem sehr produktiven Tight End am College. Er kommt ebenfalls auf die drittmeisten Catches (unter Tight Ends – 12 Catches) für 111 Yards. Auch er hat einen eher niedrigen Wert bei der Statistik „Average Depth of Target“. Er fing den Ball durchschnittlich bei 6,1 Yards. Zum Vergleich: Tucker Kraft hat einen der höchsten Werte mit 9,8 Yards.

Nachdem er in Woche 1 noch gefehlt hatte, kommt nun Quinshon Judkins zu seinem zweiten Start. 10 Rushes für 61 Yards (6,1 im Schnitt) im Rookie Debüt lassen sich sehen. Besonders dann wenn 57 Yards nach Kontakt zustande kamen. Das heißt durchschnittlich konnte er 0,4 Yards pro Run zurücklegen, bis der erste Defender ihn berührte. Das ist eine sehr kurze Zeit, umso beeindruckender dann noch 5,7 Yards danach zu erzielen. (Platz 2 der Liga / Josh Jacobs liegt bei 3,02 Yards after Contact im Schnitt). Judkins punktet mit seiner Beweglichkeit, Schnelligkeit und Vision. So kann er Defender aussteigen lassen und zusätzliche Yards erzielen.

Die Linebacker der Packers werden sehr viel zu tun haben, um dieses Kurzpassspiel und die Runs zu verteidigen. Und bisher tun sich die Linebacker auch noch etwas schwer in Coverage. McDuffie hat 2 von 2 Catches zugelassen, Edgerrin Cooper sogar 15 von 15 Catches (allerdings nur für sehr geringen Feldgewinn). Quay Walker konnte immerhin ein paar Catches verhindern (13 von 15 sind angekommen). Dennoch ist da noch Luft nach oben. Die Blitzes könnten immer wieder Räume für die angesprochenen Spieler geben, die dann mit ihrer Geschwindigkeit und Agilität punkten könnten. Aber Jeff Hafley hat gezeigt, dass er das richtige Maß finden kann und vielleicht greift er diesmal weniger zu Blitz-Plays.  

Fazit

Die Packers haben die individuelle Qualität und die Form auf ihrer Seite. In Spielen wie diesen geht es darum sein eigenes Spiel durchzubringen und diese Vorteile auszunutzen. Man darf die Browns keinesfalls unterschätzen. Aber wenn man ein sauberes und konzentriertes Spiel abliefert, dann könnte es schnell dominant und eindeutig werden.

Tipp: 27:13 Packers

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