Packers-History: Von Hagemeister bis Lambeau

Die Packers-Geschichte ist ruhmreich. Und viel dieser Geschichte ist verbunden mit einem Namen: Lambeau. Natürlich, ihr wisst es: Earl Louis „Curly“ Lambeau war der Gründer der Green Bay Packers und hat die erste erfolgreich Ära bis zum Krieg maßgeblich gestaltet. Kein Wunder also, dass die Packers das Lambeau Field nach ihm benannt haben. Dort wurden viele weitere Kapitel der Geschichte geschrieben. Immerhin ist das Stadion schlechthin seit 1957 Heimat der Packers. Und obwohl Lambeau Field das Stadion ist, welches aktuell am Längsten in der NFL genutzt wird, spielten die Packers zuvor in sieben anderen Stadien.

Der Anfang:
Hagemeister Park

Alles hat einen Anfang. Und die Anfänge von Green and Gold liegen im Hagemeister Park. Dieser lag im Osten der Stadt, direkt am East River. Und kann rückblickend nur als rudimentär bezeichnet werden. Es gab ein Spielfeld, das allerdings mehr einem Sandloch als einer Rasenfläche glich. Absperrungen gab es nicht. Die Zuschauer standen direkt am Spielfeldrand. Teilweise saßen sie in oder auf ihren Autos. Das führte zu kuriosen Umständen. So sollen die Zuschauer teilweise die Teambesprechungen in der Halbzeit direkt verfolgt haben. Und teilweise gab es so von Außen direkt Diskussionen und Taktiktipps.. 1920 folgte dann die erste kleine Tribüne, für die ein kleiner Eintritt verlangt wurde. Immerhin: 3500 Zuschauer fanden im Hagemeister Park Platz. 1922 war dann aber schon Schluss. Der Park wurde abgerissen und die Green Bay East High School wurde an dessen Stelle erbaut. Dazu ein richtiges Stadion. Doch dazu weiter unten mehr.

Interimsweise: Bellevue Park

Die Packers zog es zunächst für zwei Jahre weiter nach Osten auf Green Bays Stadtgebiet. Östlich der Main Street (bzw. damals deren Ende), direkt am Baird Creek, hatte die damalige Hagemeister Brauerei einen kleinen Park. In wenigen Wochen wurde im Bellevue Park ein Stadion gebaut, was vor allem für Baseball genutzt werden sollte. Doch auch die Packers machten hier Station und verbrachten die Saison 1923 und 1924 in Biernähe. Wirklich glücklich wurden die Packers aber nicht. Die Anlagen waren, obwohl 4000-5000 Zuschauer Platz fanden, noch spartanischer als im Hagemeister Park. Dazu war es für den Geschmack von „Curly“ Lambeau und Co. zu weit außerhalb der Stadt. Dies manifestierte sich unter anderem darin, dass es an Spieltagen keine Busverbindung nach Downtown Green Bay gab.

So wurde Bellevue Park aufgegeben, als das City Stadium eröffnet wurde. Wer heute den Bellevue Park sucht, wird enttäuscht sein. Diesen gibt es nicht mehr. Heute steht dort ein Gewerbe- und Industriegebiet.

Das City Stadium war über 30 Jahre lang die Heimat der Packers.

Echte Heimat: City Stadium

Für Green and Gold ging es wieder zurück in die „alte Heimat“. Mit der East High School bauten die Verantwortlichen der Stadt das City Stadium. Und das Stadion wurde für die nächsten 32 Jahre die Heimat der Packers.

Das Stadion war zu Anfang für 6000 Zuschauer konzipiert und hatte für damalige Verhältnisse fast optimale Footballvoraussetzungen. Heute wird man schmunzeln, wenn man liest, dass das Stadion über keine Toiletten verfügte. Oder dass die Spieler sich in der benachbarten Schule umziehen mussten. Doch für damalige Verhältnisse war es modern und fast schon State of the Art. Nach und nach bauten die Packers das Stadion auf 25000 Plätze aus. Die großen Erfolge der 1930er Jahre wurde vorrangig im City Stadium gefeiert.

Das Ende kam dann nach dem zweiten Weltkrieg. Das Stadion wurde zu klein und zu unmodern. Daher stellte die NFL ein Ultimatum: Neubau oder Umzug nach Milwaukee. Die Bürger von Green Bay votierten mit 70% für einen Neubau, der dann auch folgte.
Das City Stadium existiert heute noch und wird von den High Schools genutzt. Und in den letzten 15 Jahren wurde das Stadion renoviert und auf modernen Stand gebracht. Wer mal in Green Bay ist, dem sei ein Besuch im „Old City“ empfohlen. Bei den High School-Spielen ist die Stimmung fast so gut wie in Lambeau.

Eintagsfliege I: Borchert Park

1933 zogen die Packers erstmals nach Milwaukee. Vor exakt 88 Jahren bestritten die Packers eine Partie. Am 1. Oktober verloren sie dort mit 7:10 gegen die New York Giants. Borchert Park, eigentlich die Heimat der Milwaukee Brewers im Baseball, existiert heute auch nicht mehr. Wo das Stadion früher stand, stehen heute Wohnhäuser und verläuft die Interstate 74.

Kleiner Funfact: die Milwaukee Badgers, von 1922 bis 1926 so etwas wie der Lokalrivale der Packers, hatten hier ihre Heimstätte. Doch sie konnten kein Spiel gegen Green and Gold gewinnen.

Eintagsfliege II: Marquette Stadium

Ebenfalls eine Eintagsfliege bliebt Marquette Stadium. Das alte Footballstadion der Marquette University war 1952 Schauplatz dreier Partien. Die Packers gewannen gegen die Redskins und Eagles, verloren aber gegen die LA Rams. Auch dem Marquette Stadium blieb der Abriss nicht erspart. Die Marquette University stellte ihr Football-Programm 1960 ein. Und für die starken Leichtathleten wurde ein neues Stadion gebaut.. 1973 und 1974 spielten die Milwaukee Panthers (University of Wisconsin-Milwaukee) ihre letzten beiden Saisons in Marquette. Danach wurde das Stadion abgerissen.

Das Stadion im Wisconsin State Fair Park existiert heute nicht mehr. Die Tribünen gehören zur Milwaukee Mile.

41 Spiele in 18 Jahren: Wisconsin State Fair Park

Nach dem Spiel im Borchert Park beschlossen die Verantwortlichen der Packers zwei bis drei Partien pro Jahr in Milwaukee auszutragen – bzw. in der Nähe davon. Von 1934 bis 1951 fanden diese Spiele im Wisconsin State Fair Park statt. Dies ist ein Messegelände in West Allis, einem Vorort westlich von Milwaukee. Die Bilanz ist durchaus gut. 29 von 42 Spielen im State Fair Park konnten die Packers gewinnen. Eine Partie erzürnte allerdings die Gemüter in Green Bay. Das Championship Game 1939 fand dort statt. Green and Gold gewann die Partie dennoch mit 27:0. Für viele Einwohner von Green Bay machte es dies aber nicht besser.

1952 zogen die Packers weiter, erst nach Marquette, dann ins County Stadium. Das Football-Stadion existiert heute nicht mehr, der State Fair Park hingegen schon. Dieser wird weiter für Messen und Veranstaltungen genutzt. Über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist die Milwaukee Mile. Das Motorsportoval ist eines der Legendärsten der USA.

42 Saisons zweite Heimat: County Stadium

Die Packers hielten am Beschluss, mehrere Spiele pro Jahr in Milwaukee stattfinden zu lassen, fest. Und von 1953 bis zum Ende der Milwaukee-Games im Jahre 1994 war das Milwaukee County Stadium die zweite Heimat. Das vorrangig für Baseball errichtete Stadion war zwar nicht unbedingt für Football geeignet, genutzt wurde es dennoch. Auch hier ist die Bilanz positiv. Selbst in den „dunklen Jahren“ von Anfang der 1970er bis Anfang der 1990er gewannen die Packers die Mehrzahl der Spiele im County Stadium. Dennoch verzichten die Packers seit 1995 auf Spiele in der Hauptstadt des Bundesstaates Wisconsin. Denn finanziell ist es nicht mehr nötig, nachdem Lambeau Field Anfang der 1990er Jahre ausgebaut wurde.

Das County Stadium selbst ist seit 2001 Geschichte. Direkt nebenan wurde mit dem „Am-Fam Field“ eine moderne Arena errichtet. Doch die Home Plate aus dem Stadion kann noch immer besichtigt werden. Und wer genau hinschaut, findet das Stadion auch noch auf Flagge der Stadt Milwaukee.

Sehnsuchtsort aller Packers-Fans: das Lambeau-Field!

Legendäre Heimat: Lambeau Field

Dank des bereits erwähnten Bürgerentscheids haben die Packers seit 1957 ein neues Stadion. Zunächst als City Stadium bezeichnet, trägt die Betonschüssel seit 1964 den Namen von „Curly“ Lambeau. Anfangs war das Stadion für knapp 32000 Zuschauer ausgelegt. In den folgenden Jahrzehnten wurde es nach und nach umgebaut. Seit 2017 passen 81441 Zuschauer ins Lambeau – damit ist es ligaweit das Drittgrößte, was die Standard-Zuschauerkapazität angeht. Das fast die gesamte Bevölkerung Green Bays (knapp 108000) hinein passt, ist ein fast absurder Nebeneffekt. Aber bekanntlich ist die Hütte immer voll und Karten bekommt man nur mit viel Glück. Rund um das Stadion ist ein eigenes Viertel entstanden, was zurecht den Namen Titletown trägt.

Sportlich hat Lambeau wohl alles gesehen, was es in Sachen Packers zu sehen gab. Vince Lombardi und die legendäre Packers-Truppe der 1960er, den Ice Bowl, die dunklen Zeiten in den 1970er Jahren und die sportliche Wiederauferstehung in den 1990er Jahren. Dies alles trägt zu seiner Legende bei. Die Cheeseheads und das typische Lambeau-Wetter in Richtung Playoffs geben dem Ganzen den mysteriösen und legendären Rest.

Ach nochmal zwei Fakten: das Lambeau Field ist das Stadion der NFL, welches am Längsten von einem Team und ununterbrochen genutzt wird. Nur zwei Stadien überhaupt werden noch länger genutzt. Das sind Fenway Park (Boston Red Sox) und Wrigley Field (Chicago Cubs).

2 Gedanken zu “Packers-History: Von Hagemeister bis Lambeau

  1. Großen Dank Christian für diesen tollen Artikel. Sehr interressant und informativ. Und er zeigt, unsere Packers sind schon einzigartig.
    VG Jens

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