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Scouting Reports NFL Draft 2022 – Tight End

Brauchen die Green Bay Packers einen neuen Tight End? Man hat doch weiterhin mit Marcedes Lewis einen der besten Blocker auf Tight End unter Vertrag. Mit Robert Tonyan kommt ein höchst erfolgreicher Tight End von einer schweren Verletzung zurück und wird womöglich wieder zu alter Form finden. Darüberhinaus haben die Packers vor zwei Jahren in Runde 3 mit Josiah Deguara einen Tight End gedraftet. Klingt doch nach einem vollem und gut besetzten Roster!

Die obige Ansicht ist legitim, aber ein tieferer Blick auf die Position offenbart doch einen möglichen Bedarf. Grundsätzlich muss man festhalten, dass bezüglich der Tight Ends oft die Regel gilt, dass sie im ersten Jahr nach ihrem Draft viel zu lernen haben. Einsatzzeiten sind oftmals recht übersichtlich gestaltet. Das alleine würde schon deutlich machen, dass man bei Tight Ends eher ein Jahr im Voraus agieren muss.

Hier kann man auch die Situation der Packers aufgreifen.
Lewis hat zuletzt immer noch mit Leistung überzeugt, aber er wird nicht jünger. Einen Nachfolger als “Blocking Tight End” braucht man in absehbarer Zeit.
Ist Tonyan zu Saisonbeginn fit? Kann er an seine alte Leistungsfähigkeit im Receiving Game anknüpfen? Sein Vertrag wurde nur um ein Jahr verlängert.
Deguara ist formell wohl zumeist als Tight End gelistet, spielt aber regelmäßig auch als H-Back – das heißt, simpel ausgedrückt, als Blocker aus dem Backfield und agiert damit selten in der klassischen Tight End-Rolle.
Natürlich gibt es noch weitere Spieler wie Tyler Davis und Dominique Dafney, die aber eher Ergänzungsspieler statt Leistungsträger sind.

Bedarf ist meiner Meinung nach vorhanden, denn es braucht nicht nur in absehbarer Zeit (mindestens) einen Tight End sondern auch direkt Tiefe. Die Packers müssen sich auch vor einem Ausfall besser schützen, denn der Ausfall von Tonyan war deutlich spürbar und die Option regelmäßig einen sicheren Passfänger auf der Tight End-Position frei und tief zu haben, fehlte am Ende fast komplett.

Zuletzt kamen Gerüchte darüber auf, dass die Packers potentiell an einem Trade für Raiders Tight End Darren Waller interessiert sein könnten. Waller ist einer der gefährlichsten sowie produktivsten Receiving Tight Ends in der NFL und stellt ein konstantes Missmatch in der Mitte des Feldes dar – in den letzten 3 Saisons konnte er knapp 3000 Receiving Yards auflegen.
Er soll wohl bereits beim Davante Adams-Trade ein Teil der diskutierten Kompensation der Raiders gewesen sein, was letztlich jedoch nicht zustande kam. Preislich wird Waller voraussichtlich ungefähr ein Tag 2 Pick einbringen.

Im Endeffekt gilt es – wie immer – abzuwarten. Sollte Waller nicht nach Green Bay kommen, gibt es im Draft einige interessante Optionen für die Packers auf der Tight End Position. Die diesjährige Klasse bietet vor allem Value an Tag 3 des Drafts – dort findet man Optionen für verschiedenste Rollen. Für Tag 1 sollte kein Spieler in Frage kommen und auch an Tag 2 sollten realistisch allerhöchstens drei Tight Ends vom Board gehen, wahrscheinliche eher einer oder zwei.

Die Scouting Reports:

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Trey McBride – Colorado State – 22 Jahre – 6ft3 – 250lbs
McBride wird im Konsens als der beste Tight End des Drafts angesehen. Er ist ein motivierter und talentierter Blocker, der im Receiving sichere Hände offeriert, was zuletzt 90 Catches für 1125 Yards untermauern. Agiert oft Inline, aber kommt zügig in seine Routes, die er auch sauber zu Ende läuft und kann sich bei Kontakt gut durchbeißen und den einen oder anderen Verteidiger abschütteln. Kritikpunkt: nicht der größte Tight End und seine Routes erkennt man früh. Kein Mysterium für Defender, in welche Richtung es gehen soll. Dennoch ist er wohl der kompletteste Tight End im Draft.

Isaiah Likely – Coastal Carolina – 22 Jahre – 6ft4 – 245lbs
912 Yards hat Likely gefangen und war mit 12 Touchdowns auch der produktivste Tight End im diesjährigen Draft. Sein Tape zeigt einen quicken Tight End, der sich in Routes gut von Gegnern lösen kann. Nach dem Catch ist er teils ein absolutes Problem und kann das eine oder andere Big Play auflegen. Ist eher ein schlaksiger Tight End, der in enger Deckung sich zu selten durchsetzen kann und mit seinem Körper keine Duelle gewinnen kann. Beim Block ist er durchaus mal in falscher Position, in falscher Körperstellung und wird dann zügig geschlagen. Wird er in seiner Route berührt, dann verliert er schnell die Balance und Kontrolle.

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Greg Dulcich – UCLA – 22 Jahre – 6ft4 – 243lbs
Der Spieler für tiefe Bälle. 725 Yards bei nur 42 Catches (17,3 Yards im Schnitt!) zeigen seinen Spielstil deutlich auf. Dulcich findet in der Defense die offenen Spots zuverlässig und schnell und ist dort ein sicherer Receiver. Oft kann er auch den ersten Tackle abschütteln oder gar ins Nichts fliegen lassen. Etwas mehr Spritzigkeit würde sicherlich noch mehr an Yards After Catch herausholen. Sein Blocking ist recht wacklig, denn hierzu fehlt ihm sowohl die Stärke als auch die Technik. Der Wille ist vorhanden, aber Dulcich dürfte in der NFL als “Deep Threat” aus dem Slot, von Inline aus seine Nische finden. Möglicher Packersfit? Eine gewisse Ähnlichkeit zu Tonyan bezüglich des Spielstils kann man wohl nicht abstreiten.

Jelani Woods – Virginia – 23 Jahre – 6ft7 – 253lbs
Ein richtiges “Viech” aus körperlicher Sicht. Hat (mit Kolar zusammen) die längsten Arme unter den Tight Ends und weiß sie auch entsprechend einzusetzen. Getümmel um ihn herum stört ihn nicht und er kann den Fokus auf den Ball halten und ihn entsprechend sichern. Sucht auch gerne die Tiefe des Feldes, hat aber dazu nicht den direkten Speed um Gegner abzuschütteln. Seine Geschwindigkeit entwickelt sich eher erst mit der Tiefe der Route. Sein Blocking ist ein Fragezeichen, denn es war kaum gefordert und ist schwerlich zu bewerten, aber die wenige Momente waren gut! Hier könnte Potenzial schlummern im Passspiel sowie Blocking.

Jeremy Ruckert – Ohio State – 21 Jahre – 6ft5 – 252lbs
Guter, zuverlässiger Passempfänger (309 Yards bei 26 Catches), der vor allem Bälle gut hereinziehen kann, die nicht optimal platziert sind. Sein long-speed ist nicht gerade berauschend, obwohl sein Start in die Route einen ersten guten Schritt hat. Hier bleibt manchmal das ein oder andere Yard liegen. Als kräftiger Tight End arbeiten sich Defender aber deutlich an ihm ab ehe man ihn zu Boden bringen kann. Sein Blocking ist ausbaufähig im technischen Bereich. Wirft sich oft in Blocks hinein und ist aus der Balance und findet sich entsprechend schnell auf dem Boden wieder. Wille und Bemühen ist hier nicht abzusprechen und ein “Blocking-Körper” ist vorhanden. Kann man ihn hier technisch noch entwickeln?

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Cade Otton – Washington – 23 Jahre – 6ft5 – 247lbs
Relativ langsam Spieler, der sich über seinen Körper und gute Hände im Passspiel einbringen kann. Routes und Speed sind für die Verteidiger keine Hürde. Sein Vorteil: hat er den Ball gefangen, dann hält er seine Füße in Bewegung und kann hier durch Power noch das eine oder andere Yard herausholen. Insgesamt alles andere als flashy oder aufregend. Seine Stärke liegt in der Stabilität und dem Blocking, denn hier kommt seine Power abermals zur Geltung. Hat Otton einen guten Stand gefunden, dann ist er nicht leicht ins Backfield zu schieben. Kann erfolgreich im Passing als auch Run Game blocken.

Jake Ferguson – Wisconsin – 23 Jahre – 6ft4 – 250lbs
Guter Blocker im Run Game, der als Passempfänger vor allem in der Mitte des Feldes überzeugen kann. Hat ein gutes Gefühl für freie Zonen und starke Hände. Sichert Bälle trotz hartem Kontakt. Tief ist Ferguson keine Option, da ihm die tiefen Routes als auch der Speed fehlt. Auch sein Catch Radius ist durch kurze Arme deutlich limitiert. Wirkt wie ein Old School-Tight End, der sich im Blocking positiv einbringt und im kurzen Bereich über die Feldmitte angeworfen werden kann – mehr aber nicht.

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Charlie Kolar – Iowa State – 23 Jahre – 6ft6 – 252lbs
Ein großer Tight End mit langen Armen, der durch Körper, Hände und Armlänge auch bei engem Kontakt den Ball sichern kann. Ist leider das Gegenteil von explosiv. Wirklich gefährlich ist er nur auf Seam- oder Post-Routes. Bei kürzeren Routen kann er seltenst einen Gegenspieler durch überraschende Moves und/oder Geschwindigkeit abschütteln. Kann er auch auf NFL-Niveau gegen größere, stärkere Gegenspieler am Catch Point durch Physis gewinnen? Sein Blocking ist passiv und man hat das Gefühl, dass er sich teils nur in den Weg stellt und denkt, dass dies ausreicht.

Daniel Bellinger – San Diego State – 21 Jahre – 6ft4 – 253lbs
Die Definition eines Blocking Tight Ends. Hat zwar auch solide Hände und saugt Bälle an, aber besitzt quasi keinerlei Moves. Tiefe Go Routes läuft er ganz solide, wenn auch ohne großen Speed, aber wenn es ums Blocking geht, dann zeigt er seine Leidenschaft. Bellinger blockt technisch mit Händen und Füßen sauber. Kann gut die “Edge” halten und hier den einen oder anderen Edge Rusher nicht nur aufhalten sondern zurückhalten. Fraglich: hatte schon die eine oder andere (kleinere) Verletzung. Kann er in der NFL unter mehr körperlichem Druck der Gegner fit genug bleiben?

Jalen Wydermyer – Texas A&M – 21 Jahre – 6ft3 – 255lbs
Galt lange als Top 3 Tight End dieser Klasse, aber fiel seit Januar fast täglich immer weiter das Board runter. Den Tiefpunkt erreichte Wydermyer bei der Combine, denn hier lieferte er absolut grauenhafte Werte ab und hat im Bereich der Athletik durch die Bank enttäuscht. Zum Drop haben sicherlich auch seine steten Strafen beigetragen, mit denen er den Teams keinen Gefallen tut. Warum wurde er aber mal so hoch eingeschätzt? Hat einen großen, kräftigen Körper, der aber noch nicht fertig entwickelt ist. Im Spiel selbst kommt Wydermyer gut von der Line los und läuft auch passable Routes. Gefangene Bälle packt er gut und sicher weg und sein Blocking gegen Edge Rusher kann als attraktiv beschrieben werden (vor allem Wham Blocks!). Wird interessant, ob Wydermyer gedraftet wird oder die Teams von ihm komplett abrücken.


Und dann gibt es da noch Chigoziem Okonkwo aus Maryland, der als kleiner, aber sehr athletischer Tight End womöglich eher für eine H-Back-Rolle in der NFL vorgesehen ist. Unwahrscheinlich, dass sich die Packers für ihn interessieren, da man in diese Rolle erst vor kurzem investiert hat. Cole Turner aus Nevada, Lucas Krull von Pittsburgh und Derrick Deese von San José State sind weitere Namen, die gerne als NFL-Kandidaten genannt werden. Abschließen will ich noch mit James Mitchell von Virginia Tech, Clint Ratkovich (ebenfalls eher H-Back) von Northern Illinois und Grant Calcaterra von SMU.

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Calcaterra (hier der Link zu seinen Stats) ist eine super spannende Personalie, denn er galt einige Jahre als mögliches Topprospect für die NFL und spielte bei den Oklahoma Sooners. Was ist geschehen? Er hatte einige Gehirnerschütterungen und hatte seine Karriere beendet ehe er zur vergangenen Saison sie an seiner neuen Uni (Southern Methodist University) wieder hat aufleben lassen. Absolute Wild Card!

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