AJ Dillon – wasted Pick?

Am zweiten Tag des Draft 2020 sorgten die Green Bay Packers für einen weiteren Schocker als sie Runningback AJ Dillon vom Boston College an Position 62 auswählten. Schon für ihre erste Wahl (Jordan Love) erhielten die Packers einen bunten Reigen an Kritik. Die Analystenwelt war auch vom weiteren Vorgehen der Packers im Draft, speziell der Wahl von Dillon, nicht begeistert und tat dies kund.

Luke Easterling (USA Today Draft Wire) meinte beispielsweise: “It got worse in the second round, when the Packers reached for an old-school bruiser of a running back in Boston College’s A.J. Dillon, who should have still been on the board for Day 3.” Source: https://www.si.com/nfl/packers/news/packers-final-draft-grades

Ist die Wahl von Dillon, zwei Jahre nach dem Draft, wirklich derart daneben und desaströs gewesen?

Dillon Pre-Draft

Dillon galt am College als recht eindimensionaler Spieler, der am Boston College auch nur einfältig eingesetzt wurde. Kritisiert wurde Dillon dafür, dass er nicht genügend Geduld aufbringt bis sich Running Lanes auch entwickeln können. Er galt als ungeduldig und blind. Für ihn stand in Boston der harte, klare Gang in eine vollgeladene Box des Gegner an erster Stelle.

Wie die Statistik zeigt, ist seinerzeit kein andere Runningback auch nur annährnd so oft in eine volle Box gelaufen. Dennoch konnte Dillon über seine Karriere hinweg 5.2 Yards im Schnitt pro Rushing Attempt für das Boston College erzielen. Pässe fing Dillon über drei Jahre hinweg insgesamt nur 21 (bei 236 Yards + 2 Touchdowns). Die Kritik an seiner Wahl war viel- und manigfaltig.

Auch College-Experte Jan Weckwerth war seinerzeit nicht begeistert von der Wahl der Packers und sah kein Potenzial in der Wahl von Dillon: “Man holt sich mit RB A.J. Dillon (Boston College) einen eindimensionalen Power Runner mit gutem Speed, der allerdings sehr aufrecht läuft und bisher keinerlei Gefahr im Receiving Game darstellte. Nicht nur ist Dillon meiner Ansicht nach viel zu früh gedraftet worden, die Packers haben aktuell auch überhaupt keinen Need auf RB, da der vielseitig einsetzbare Aaron Jones eine exzellente Saison gespielt hat.” Source: https://tripleoptionblog.wordpress.com/2020/05/03/das-grosse-draft-recap-2020-i/

Was hat sich seitdem getan?

In Jahr 1 nach dem Draft kam Dillon in 11 Spielen zum Einsatz und das nur limitiert. Er hatte 46 Runs für 242 Yards und erlief zwei Touchdowns. Bälle fing er exakt zwei und war auch im Passing Game kein Faktor, was die vorherigen Bewertungen seiner Wahl eher bestätigten denn widerlegten.

Nachdem klar war, dass man den Vertrag von Jamaal Williams nicht verlängern würde, war die Tür für AJ Dillon offen den Platz hinter Aaron Jones in der Depth Chart in der Saison 2021 einzunehmen. Zu Beginn der Saison musste man sich aber Sorgen machen, denn Dillon hatte die ersten drei Wochen der Saison nur fünf Runs pro Spiel im Schnitt und war kein wirklicher Faktor. Ab Woche 4 war Dillon aber ein großer Teil des wöchentlichen Gameplans und stetig involviert. Matt LaFleur hat den kräftigen Dillon gerne im Wechsel mit dem beweglichen und schnellen Jones oft für ganze Sets im Austausch gebracht und so die gegnerische Defense ausgezehrt.

Sein Zahlen am Saisonende der Spielzeit 2021? 187 Rushing Attempts mit 802 erlaufenen Yards . Im Passspiel war Dillon urplötzlich auch ein Faktor und fing 34 Bälle für 313 Yards. Zwei Touchdowns durch die Luft konnte er den fünf erlaufenen hinzufügen. Dillon hat sich als Läufer als auch Passempfänger absolut etablieren können.

ProFootballFocus (PFF) sieht das auch ähnlich und hat Dillon gar in der Spitze der Runningbacks bewertet. Kombiniert aus Lauf- und Passspiel hat Dillon 2021 den drittbesten Wert (86.2) aller NFL-Runningbacks zugeteilt bekommen.

Jan Weckwerth hat diese Entwicklung von Dillon auch wahrgenommen und seine Bewertung aus dem Jahr 2020 in einen neuen Kontext gesetzt. Er hat Dillon nicht nur eine gute Entwicklung bestätigt sondern auch angemerkt, dass er womöglich am College nicht seinen Qualitäten entsprechend eingesetzt wurde, wie er in unserem Podcast (Folge 162) mitteilte.

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Konklusion

Auch wenn der Draft 2020 wohl immer wieder im Fokus stehen werden wird, eben weil die Packers mit Quarterback Jordan Love einen diskutablen Pick in Runde 1 hatte, so muss man mittlerweile festhalten, dass sich der frühe Zugriff bei AJ Dillon durchaus gelohnt hat. Dillon ist genau der Typ Runningback, den Matt LaFleur gern in seinem Roster hat. Zusammen mit Aaron Jones ist er “Thunder & Lightning” und ein wöchentliches Match-Up-Problem für die gegnerische Defense. Das scheinen die Packers auch immer mehr zum eigenen Vorteil auszunutzen.

Individuell konnte Dillon in seinen ersten Jahren bereits viele Kritiker widerlegen und seine wirkliche Qualität nachweisen. Dies gilt für das Passspiel, auch, wenn weiterhin der Löwenanteil an Passen abseits von Dump-Offs gen Aaron Jones geht, als auch für die angeblich fehlende Athletik. Dillon ist mehr als der Bruiser, der nur gerade aus in loaded Boxes läuft. Zwar gehen weiterhin 40% seiner Läufe (nach PFF) durch die Mitte, aber das Gesamtspektrum ist breit und vielfältig.

Dillon war als Pick an Position 62 sicherlich ein Reach, ein deutliches Risiko und die Wahl der Packers wurde zurecht entsprechend beäugt. Letztlich können sich die Packers aber glücklich schätzen, dass sie mit diesem doch oft kritisierten Pick einen qualitativ ausgewogenen und perfekt ins Scheme passenden Runningback draften konnten. War es dennoch richtig derart früh einen Runningback zu draften? Diese Frage wird immer wieder auftauchen und ist, gerade mit Aaron Jones zusätzlich im Backfield, sicherlich berechtigt.

Ist die Entwicklung von Dillon final abgeschlossen oder hat er gar noch weiteres Entwicklungs- und Steigerungspotenzial? Die kommende Saison wird uns hier wohl einen deutlichen Aufschluss bieten und den Pick als auch Spieler noch besser bewerten lassen.

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