WWYD: Bedarf an neuem Cornerback?

Erstmals gibt es diese Saison ein “What would you do?” mit der nachfolgenden, ausführlichen Frage, die dann von den Autoren Jo, Nik und Chris wie auch Gastautor Domi beantwortet wird.

Habt ihr eine andere Idee oder Meinung oder teilt eine der folgenden Ansichten? Teilt es uns gerne mit! Euer Feedback ist via Twitter, Facebook, Discord oder auch Instagram jederzeit willkommen.

What would you do? Die Green Bay Packers haben aktuell mit Jaire Alexander ihren besten Cornerback auf der Injury Reserve-Liste stehen und womöglich fällt er sogar für die gesamte Saison aus. Aktuell besteht die Cornerbackgruppe aus Kevin King, der oft verletzt und vielgescholten ist, aber zuletzt gegen die Bengals ein gutes Spiel machte. Dennoch nahm King eine kleine Verletzung mit aus der Partie. Chandon Sullivan ist eine solide, aber nicht überragende Konstante im Slot und Rookie Corner Eric Stokes zeigt gute Ansätze, hat aber natürlich noch einiges zu lernen. Isaac Yiadom – kam via Trade von den Giants – hat bislang nicht überzeugt und Rookie Shemar Jean-Charles scheint bislang auch keine tragfähige Alternative zu sein. Rasul Douglas wurde letzte Woche von den Cardinals geholt, aber die Packers sind auch bereits sein siebtes Team (in fünf Jahren) und trotz massig Spielzeit zuletzt in Carolina hatte er nur einen Spot auf dem Practice Squad der Cardinals inne. Müssen die Packers auf kurze und/oder lange Sicht auf der Cornerbackposition noch nachlegen?

Embed from Getty Images

Braucht es Ersatz für Jaire Alexander bzw. einen weiteren Cornerback, der solide spielen kann? Wirklich ersetzbar ist Alexander wohl eh nicht. Hier die Antworten!


Die Antwort von Autor Jo
Keine einfach zu beantwortende Frage. Die Packers sind zwar im Win-Now Modus, trotzdem würde ich mich aktuell gegen einen möglichen Trade (oder FA-Verpflichtung) für einen Cornerback entscheiden. Hierfür gibt es aus meiner Sicher mehrere Gründe. Nach der Verpflichtung von Jaylon Smith ist der Cap Space für die laufende Saison weiter zusammengeschrumpft. Spielraum gibt es hier fast keinen mehr. Insbesondere wenn wir über einen Spieler reden, die uns tatsächlich sofort helfen und Jaire Alexander zumindest Ansatzweise ersetzen könnte.
Ich würde den wenig vorhanden Cap Space für andere Eventualitäten aufheben wollen. ‘Next Man up’ ist für mich zunächst jetzt erstmal die Devise. Kevin King kann und muss nun seine Vertragsverlängerung irgendwie rechtfertigen. Er spielt auch um seine NFL Zukunft nach dieser Saison. Trotz der vielen Kritik in der Vergangenheit glaube ich, dass wir in der Joe Barry Defense noch einen Kevin King sehen werden, der den Packers eine wirklich zuverlässige Größe in der Defense sein kann. Der Auftritt gegen die Bengals war ein guter Anfang! Weiterhin bringt Stokes genügend Upside mit, um sich im Laufe der Saison weiter zu verbessern. Man vergisst schnell, dass es erst fünf Spiele in der NFL bestritten hat, in einem Defense Scheme, welches durchaus fordernd ist. Sein Potenzial hat er schon aufblitzen lassen. Mit mehr Spielzeit, mehr Selbstvertrauen und zunehmender Erfahrung wird er zusammen mit Kevin King ein zuverlässiges und solides Cornerback Duo bilden können.
Neben Stokes und King spricht auch die Defense Line für mich gegen einen neuen Cornerback. Die Line zeigt sich in den letzten Spielen klar verbessert. Das gilt sowohl gegen den Run, als auch gegen den Pass. Auch mit dem 4-Men Rush können die Packers Druck erzeugen und zum Quarterback kommen. Die Coverage wird dabei weniger relevant, als bei einem zahnlosem Pass Rush. Weiterhin bin ich zuversichtlich, dass wir Alexander zumindest gegen Ende der Regular Season zurückbekommen werden. Die Division sollte auch ohne Alexander an die Packers gehen können. All diese Gründe sprechen für mich daher gegen einen Trade oder die Verpflichtung eines Free Agetns.

Die Antwort von Domi
Ich würde „the Last Dance“ ernst nehmen und versuchen einen Outside CB nach Green Bay zu holen. Es ist nicht nur die Unvorhersehbarkeit der Verletzung von Jaire, sondern auch die Verletzungsanfälligkeit von King, die in den nächsten Wochen Probleme machen könnte. Gegen Cincinatti spielte er wegen einer Schulterverletzung größtenteils mit nur einem Arm. CB#3 Erik Stokes überzeugt, doch ein Rookie und ein verletzungsanfälliger Wackel-Corner werden nicht reichen. Chandon Sullivan nach Außen zu ziehen halte ich nicht für den richtigen Weg, da das weder seinen Fähigkeiten entspräche, noch haben wir mit SJC einen Backup mit Starter-Qualität. Bleibt noch CB#4 Yiadom. Seine Leistung gegen die Bengals und auch zuvor machen wenig Hoffnung, dass er eine echte Alternative ist.
Neuzugang Douglas könnte dem ein oder anderen College-Fan noch ein Begriff sein, als er sich 2016 in West Virginia ins Rampenlicht spielte. Seine NFL Karriere blieb dagegen eher blass, dennoch bringt er Größe, Physis und Erfahrung in den CB-Room, wir werden sehen, was das wert ist. Die Packers haben noch etwa 4 Mio Dollar Cap Space und kaum noch Spieler, deren Vertrag man umstrukturieren kann. Ein Blockbuster-Trade ist demnach nicht zu erwarten und passte natürlich auch nicht zu uns. Der Free Agent Markt ist auf CB dünn besetzt und niemand davon kommt ohne eine großes ABER daher (daher ist er ja auf dem Markt). Darqueeze Dennard könnte einer dieser Namen sein. Wahrscheinlicher ist ein Trade. Manche Teams sollten schon mit ihren Playoff-Hoffnungen abgeschlossen haben. Einen 4./5. Runden Pick dürfte man für einen geeigneten Kandidaten investieren, damit wir im Februar alle nochmal mit Rodgers tanzen dürfen.

Die Antwort von Autor Chris
Die Antwort auf die Frage unterscheidet sich für mich ganz klar durch die Einschränkungen „kurzfristig“ und „langfristig“.

Langfristig (Zeitraum ca. 1 – 2 Jahre) werden die Packers, zumindest auf Outside Cornerback, wohl keine großen Veränderungen vornehmen. Ich rechne stark damit, dass King die Packers im Anschluss an diese Saison final verlässt und Stokes und Alexander (nach seiner Vertragsverlängerung) das Starting CB Duo bilden werden. Dies wird vermutlich auch unabhängig davon der Fall sein, wie gut Stokes anfangs tatsächlich spielt, da First Round Picks in der Regel ungefähr drei Jahre Zeit bekommen, bis man sie aufgibt. Bei Stokes physischer Upside macht dies umso mehr Sinn. Im Slot könnte ich mir allerdings vorstellen, dass die Packers in der Offseason tätig werden. Sullivans Leistungen können langfristig nicht zufriedenstellend für das Coaching Staff sein. Hoffnung für Verbesserung innerhalb des aktuellen Rosters liefert ausschließlich Rookie 5th-Round-Pick Shemar Jean-Charles, der im Laufe der Saison eventuell schon mehr Einsatzzeiten bekommen wird als momentan.

Kurzfristig sieht die Welt allerdings nach Alexander’s Verletzung ganz anders aus. Stand jetzt werden Stokes, King und Sullivan die restliche Saison die drei Starting Cornerbacks Spots der Packers besetzen – dieses Trio Nach aktuellen Informationen ist wohl davon auszugehen, dass Alexander bestenfalls spät in der Regular Season zurückkehren wird. Da die Packers, so wie es bisher aussieht, wohl auch diese Saison um den Einzug in den Super Bowl mitspielen werden, ist ein Trade für einen soliden Starting Cornerback definitiv nicht auszuschließen. Allerdings müsste ein solcher Spieler bei einem Team spielen, das willig ist ihn zu traden – ein Non-Playoff Team in der Regel. Zusätzlich sollte er einen kurzen (am besten Ende der Saison auslaufenden) Vertrag besitzen. In dieses Bild fallen nur sehr wenige Spieler.

Hier eine kurze Liste von für mich interessanten Cornerbacks: Joe Haden (Steelers) Isaiah OIiver (Falcons) Donte Jackson (Panthers). Alle drei haben einen zum Saisonende auslaufenden Vertrag und würden für mich ein leichtes Upgrade zu King und Stokes bedeuten. Vermutlich wären auch alle drei für ein Late Round Pick zu haben, da wohl keiner von ihnen einen neuen Vertrag beim jetzigen Team erhalten wird. Ich würde als Packers GM vor der Trade Deadline die Chance eines solchen Low Risk-Trades nutzen.


Die Antwort von Autor Nik
Jaire Alexander ist derzeit einer der besten Cornerbacks der NFL. Einen so guten Spieler zu verlieren, würde jedem Team schaden. Doch genau dafür hat man Depth auf einer Position – und jetzt ist diese halt gefragt. Mit Kevin King hat man vor der Saison genau dafür verlängert. Er bot zu Saisonbeginn eine Versicherung für den geplanten Rookie-Cornerback. Eric Stokes hat ihm den Rang abgelaufen, aber jetzt hat er die Möglichkeit, sich trotzdem für einen weiteren Vertrag anzubieten. Nicht nur gegen die Bengals hat Kevin King gezeigt, dass er ein guter NFL Cornerback sein kann. Auch in den letzten Saisons hatte er immer wieder grundsolide bis gute Leistungen mit einigen Ausreißern nach oben. Natürlich hatte er auch diverse Ausreißer nach unten – nicht zuletzt im vergangenen Championship Game.
Trotzdem muss man sich die Frage stellen: Was bekommen die Packers besseres? Welchen Wert (Draft-Picks und Spieler) könnten sie einem anderen Team bieten, damit sie einen besseren Cornerback als Kevin King bekommen? Dazu kommt, dass die Packers auch finanziell (Salary Cap) nicht besonders gut aufgestellt sind. Für die aktuelle Saison wäre zwar noch der ein oder andere Dollar verfügbar, doch auch den braucht man für Cornerbacks – nächste Saison steht Alexanders Verlängerung an und die Salary Cap Table für kommenden Saisons sieht nicht sonderlich viel Raum vor. So sehr ich also für „All In mit Rodgers“ bin – ich behalte lieber Geld und Draft Picks und hoffe auf King und Stokes.

(Ergänzung: Zwischenzeitlich haben die Packers noch Quinton Dunbar für den Practice Squad verpflichet. Dunbar hatte ein gutes Jahr in Washington 2019, wurde dann nach Seattle getradet und hatte dann auch einen nicht unerheblichen Konflikt mit dem Gesetz. Mit Kabion Ento befindet sich noch ein weiterer junger, aber sehr unerfahrener CB auf dem Practice Squad der Packers. Ento war aber am College noch Wide Receiver und wurde erst zum Cornerback umfunktioniert)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.