Kaderanalyse Special Teams

Zum Abschluss unserer Reihe werfen wir noch einen kleinen Blick auf die Special Teams. Was hatte sich zur abgelaufenen Saison geändert? Wie lief die Saison (die meisten sollten das ja bekannterweise in „bester“ Erinnerung haben)? Was ändert sich bzw. was sollte sich zur neuen Saison ändern?

Auch hier gibt es einige „Key-Positionen“, auf die wir einen genaueren Blick werfen.

Saison 2021 – Der Anfang des Untergangs

Nach zwei minder erfolgreichen Saison in den Special Teams – 2019 Rang #24 und 2020 Rang #29 nach PFF hat man Special Teams Coordinator Shawn Mennenga entlassen. Wie traditionell in Green Bay üblich wurde auch hier eine interne Lösung gefunden und Mennengas Assistant Coach Maurice Drayton wurde für die Saison 2021 neuer Special Teams Coordinator.

In der Offseason wurden gleich zwei Schwachstellen in zwei Schlüsselpositionen angegangen. Die Packers tradeten ihren 6th Round Pick 2023 zu den Rams nach Los Angeles und erhielten im Gegenzug einen 7th Round Pick 2023 und Punter Corey Bojorquez.

Während der Saison wurde Long Snapper Hunter Bradley entlassen. Um dem neuen Punter das Leben im besten Fall noch etwas leichter zu machen, haben die Packers Long Snapper Steven Wirtel unter Vertrag genommen. Wirtel war ebenfalls wie Bojorquez zuvor bei den Los Angeles Rams unter Vertrag.

Resümee der Saison

Nach Pro Football Focus hatten die Packers spannenderweise „nur“ das zweitschlechteste Special Team der NFL vor den Seahawks. Die Saison der gesamten Special Teams war in den Peaks nach oben maximal oberer Durchschnitt (siehe Week 7 vs. WAS, Week 10 vs. SEA). In den meisten Fällen eher unterdurchschnittlich bis mehrfach auch komplett katastrophal (siehe Week 6 vs. CHI, Week 15 vs. BAL, Week 5 vs. CIN) und tatsächlich in einem einzigen Fall sogar beschämend im Divisional Playoff Spiel gegen die Niners.

Ein paar Werte die die Saison der Packers Special Teams belegen: Die Packers „erreichten“ sechs Muffs / Fumbles + zehn missed FGs (darunter auch geblockte) + zwei missed Extra Points + einen Punt Block.
Weiterhin haben die Packers 531 Kickoff Return Yards kreiert und stehen damit an Platz 29 der NFL. Der NFL Durchschnitt beträgt 742 Yards. Kickoff Return Yards sind abhängig von Touchbacks vom Punkte-Verhältnis (wie oft es dementsprechend überhaupt Kickoffs gibt) und von mehr Risiko für zurück liegende Teams, aber dennoch ist Platz 29 eine sehr starke negative Aussage. Bei den Punts sieht das etwas positiver aus. Hier landen die Packers mit 199 Yards auf Rang 22 der NFL. Der Durchschnitt bei den Punt-Return Yards liegt bei 241 Yards.
Auf der anderen Seite des Balles, also die Zahlen, die wir einstecken mussten, sieht es wie folgt aus: Bei den Kicks und Punts gegen die Packers sieht es noch viel schlimmer aus. Erstmal in Sachen kassierte Punt-Return Yards. Hier rangieren die Packers mit 268 Yards auf Rang 23 der NFL (Durchschnitt sind 240 Yards).

Das größte Problem der Special Teams?

Eines, wenn nicht das große Problem in dieser Kategorie sind die Kickoff Returns und die damit einhergehenden Feld Positionen. Es ist hier müßig zu sagen, dass die Packers in dieser Kategorie mit 1283 zugelassenen Kickoff Return Yards das schlechteste Team der NFL sind. Im Durchschnitt kassieren die Teams 763 Kickoff Return Yards. Das gute und zugleich nicht so gute an dieser Statistik ist, dass man hier mit einer Anpassung ganz viel wieder Wett machen kann. Indem der Kicker die Kick-Offs zum Touchback, also in die Endzone bzw. weiter als die gegnerische Endzone kickt. Wo wir schon bei den Key-Player angekommen sind. In nur 46% aller Kickoffs erzielte Mason Crosby einen Touchback. Damit ist er unter den regulären Kickern auf Platz 24 der NFL. (Quelle: Zahlen von Football Database bzw. Pro Football Reference)

Folgerichtig wurde nach der Saison und nach einer Ein-jährigen Coordinatorzeit Maurice Drayton wieder entlassen.

Key Players

Wo wir gerade schon von Mason Crosby geredet hatten, bleiben wir gleich bei ihm.

Mason Crosby

Wie erwähnt hat Crosby in der letzten Saison für seine Verhältnisse katastrophal schlechte Zahlen hingelegt. Die schlechteste Kickoff zu Touchback Rate seit sieben Jahren. Das schlechteste prozentuale Verhältnis von verwandelten Field Goals seiner Karriere und damit der dritt schlechteste Kicker der NFL. Dazu kommen noch zwei nicht verwandelte Extrapunkte. Rechtfertigt das den siebtbestbezahltesten Kicker der NFL?
Ja, Crosby hatte 2020 eine perfekte Saison mit 100% in Sachen Field Goals. Aber hier müssen sich die Packers die Frage stellen, ob man die $4.735.000 als Cap Hit in den Büchern stehen lässt, oder den 6th Round Draft Pick der Packers aus dem Jahre 2007 entlässt und damit $2.395.000 an Salary Cap spart.

Fairerweise muss hier dennoch erwähnt werden, dass bei den zehn nicht verwandelten Field Goals auch einige geblockte dabei waren, wo Crosby keinerlei Schuld trifft. Wie hier im Bild zu sehen im Divisional Playoffs Spiel gegen die 49ers, als Tyler Lancaster seinen Block, naja, nicht ernst nahm.

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Seine Leistung im letzten Jahr rechtfertigt so eine Summe definitiv nicht, aber was hat Crosby noch im Bein?

Da Crosby in sein letztes Vertragsjahr geht, würde ich ihn im Zuge des Cap-Savings zur Free Agency nicht entlassen, mit der bereits vorhandenen Konkurrenz (Dominik Eberle) muss er sich im Trainingscamp beweisen. Sein Vertrauen hat er allemal verspielt.

Corey Bojorquez

Bojorquez hat bei den Packers seine zweitbeste Saison seiner NFL Karriere gespielt. Zu Saisonbeginn war er sogar auf All Pro und Pro Bowl Kurs, ehe er in der zweiten Saisonhälfte ähnlich stark nachließ. Nichtsdestotrotz war er ein Upgrade gegenüber JK Scott. Zum Vergleich Bojorquez puntete im Schnitt den Ball 46,5 Yards weit, 18-mal in die Redzone und 20-mal weiter als 50 Yards. JK Scott in der vorherigen Saison puntete den Ball im Schnitt 45,5 Yards weit, 15-mal in die Redzone und 15-mal weiter als 50 Yards.

Ich würde Bojorquez definitiv eine Vertragsverlängerung anbieten. Nichts in den Spitzengehältern, aber durchaus im Bereich der Top 10, der Punter und das für zwei Jahre. Das wären ca. $ 5.000.000 für zwei Jahre. Die Packers können evaluieren, wie sein Leistungslevel variiert und ob er eine Konstanz durch die Saison entwickeln kann und wenn nicht, dann käme man nach einem Jahr günstig aus dem Vertrag wieder raus.

Woran lag der Leistungsabbau von Bojorquez – Ein kleines bisschen Physik?

Hier greifen wir einmal etwas in die Physik ein. Die Luftdichte ist abhängig von dem Luftdruck und der Temperatur. Der Luftdruck ist von verschiedenen Wetterszenarien und eben von der Höhe des Ortes abhängig. Die Wetterszenarien sind in der Regel immer zufällig und die Höhe des Ortes (meist das Lambeau Field) ist demnach immer gleich. Also nehmen wir dem Luftdruck einmal außen vor.

Die Temperatur ändert sich in Green Bay zwischen September und Januar gewaltig. Hier ist festzuhalten. Je wärmer die Temperatur, desto geringer ist die Luftdichte. Andersherum – Je kälter es ist, desto höher die Luftdichte. Was heißt das nun für Punts und Kicks? Richtung Winter wird es in Green Bay immer kälter und je kälter es wird, desto mehr Kraft muss der Ball, also das Bein aufwenden, um möglichst weit zu fliegen. Bei mehr oder weniger gleichbleibender Kraft (Stärke des Kicks / des Punts) fliegt der Ball also bei kälteren Temperaturen weniger weit.

Dies ist eine mögliche Erklärung. Warum die Zahlen von Bojorquez in seiner vorherigen Saison in Buffalo aber dennoch nennenswert besser waren, erklärt dies nicht. Dies erklärt genau so wenig, warum Crosbys Saison allgemein deutlich schwächer war als die vorherigen in Sachen Touchback Verhältnis.

Steven Wirtel

Wirtel hat im Laufe der Saison den Posten des Long Snappers von Hunter Bradley übernommen mit der Hoffnung auf Verbesserung, da Wirtel mit Bojorquez bei den Rams zusammen gespielt hatte. Der Versuch ging in die Hose. Wirtel ist im Vergleich zu Bradley definitiv keine Verbesserung gewesen und in Sachen Blocking definitiv ein Nachteil, wie im folgenden Bild zu sehen, dass den Packers den Blocked Punt und den Touchdown gegen die 49ers im Divisional Playoff Spiel gekostet hatte.

Das allein Wirtel zu Lasten zu legen ist hier allerdings auch falsch. Wirtel muss hier Unterstützung durch die Blocking-Line bekommen und das ist eine fehlende Ansage des Special Teams Coordinators. Nichtsdestotrotz waren eine Vielzahl der Snaps von Wirtel nicht in der Genauigkeitsqualität, die von einem NFL Long Snapper erwartet wird. Aus diesem Grund sehe ich für Wirtel auch keine Zukunft in Green Bay

Equanimeous St. Brown

Warum reden wir bei den Special Teams über EQ? Weil er für die Special Teams ein sehr wichtiger Faktor ist. Er war die gesamte Saison (wenn er fit war) als Gunner aufgestellt, also in der Coverage Abteilung des Kick- bzw. Punt-Return Teams in der Position, die mit als erstes als Tackler für den Ballträger fungiert. EQ ist in dieser Position als Gunner mit seinem Speed und seiner Agilität so wertvoll, dass er damit entweder den Returner direkt stoppen kann, nachdem er den Ball fängt, oder diesen sogar zum Fair Catch zwingen kann.

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Ganz allein aus diesem Grund, ohne den zusätzlichen Mehrwert im Wide Receiver Room, würde ich EQ mit einem Veteran Minimum Deal eine Vertragsverlängerung anbieten.

Fazit und Ausblick der Special Teams

Mit Rich Bisaccia haben die Packers einen externen Special Teams Coordinator geholt, der mit über 20 Jahren Erfahrung auf dieser Position zu den Packers kommt. Bisaccia weiß, wie man schwächere Units zu besseren machen kann, siehe Cowboys 2012, siehe Chargers 2010, siehe Buccaneers, 2002. Bisaccia weiß außerdem, wie man gute Spieler noch besser machen kann. Er hat in seiner Karriere drei Special Teams Pro Bowler heraus gebracht, 13 Weekly-Awards und vier Monthly-Awards kreiert.

In der Vergangenen Saison haben die Las Vegas Raiders ihn sogar zum Interims Head Coach ernannt, nachdem Jon Gruden entlassen wurde. Er führte die Raiders nach einem sagenumwobenen Saisonfinale noch in die Playoffs. Bisaccia muss allerdings noch alle vier hier genannten Key-Player-Positionen besetzen oder deren Bekleidung klären, aber dafür ist einer mit so viel Trainererfahrung genau der Richtige. Und eines kann den Packers und uns Fans wirklich eine freudige Aussicht auf die kommende Saison bringen: In Sachen Special Teams kann es nur besser werden, denn noch schlechter geht es kaum noch.

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