Was wird eigentlich aus Jordan Love?

Embed from Getty Images

Nachdem die Packers sich zu Aaron Rodgers bekannt haben, stellt sich eine berechtigte Frage: Was passiert jetzt mit Jordan Love? Rodgers hat seinen Vertrag um 3 Jahre verlängert, inklusive 2 Void Years. Dieser Vertrag bietet für Rodgers aber die Option, bereits nach 2 Jahren zu retiren. Love´s Rookie-Deal läuft noch genau über diese 2 Jahre und besitzt anschließend die Option auf das 5. Jahr. Aufgrund dieser Tatsache kann man nicht per se sagen, dass Love keine Zukunft mehr bei den Packers haben wird. Allerdings kann man auch nicht erwarten, dass er sich (mindestens) 2 weitere Jahre hinten anstellt. Er will, und er muss spielen, um besser zu werden.

War Jordan Love ein schlechter Draft Pick?

Eine Frage, die der Konsens der Packers-Nation vermutlich bejahen würde. Hätte man anstelle von Love einen Wide Receiver wie Tee Higgins oder Chase Claypool gewählt, hätte man jetzt weniger Druck Adams zu ersetzen. Das Leben ist allerdings kein Konjunktiv, deshalb muss man die Situation zwischen 2017 und 2020 genauer betrachten. Man muss versuchen zu verstehen, was die Intension von Bryan Gutekunst war. Aaron Rodgers war in 2017 überwiegend verletzt und ließ eine 2018er Saison folgen, die statistisch eine seiner schlechtesten in seiner Karriere war. Das mündete in der Entlassung Mike McCarthys. In einer modernen Offense unter Matt LaFleur, folge 2019 dann erneut eine eher durchschnittliche Saison für die Verhältnisse eines Aaron Rodgers. Die Vermutung lag nahe, dass Rodgers nicht mehr genug im Tank hatte und eben nicht mehr der Elite-Quarterback des letzten Jahrzehnts war oder gar wieder zu jenem wird. Da er aber genau so bezahlt wurde und sein Cap Hit für 2022 exorbitant hoch werden würde, wollte man an diesem Punkt den Übergang zu seinem Nachfolger vollziehen. Die Intension war offensichtlich, 2 Jahre Zeit für den Nachfolger zu lernen und dann übernehmen – ein Szenario, mit dem die Packers in der Vergangenheit schon sehr gut gefahren sind. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, lässt sich sagen, dass zum Zeitpunkt des 2020er Drafts, die Wahl Jordan Loves eben nicht die Schlechteste war. Gutekunst hat langfristig gedacht und darauf gesetzt, dass ein Aaron Rodgers nicht mehr das Zeug dazu hat MVP zu werden – eine Wette, die er am Ende verlieren sollte und den Pick von Jordan Love als schlecht aussehen lässt.

Das schwierige erste Jahr

Jordan Love hatte es gleich zu Beginn seiner Karriere nicht einfach. Der mediale Druck von außen, Nachfolger des großen Aaron Rodgers zu werden, kann schon schwer auf den Schultern eines jungen Quarterbacks lasten. Aufgrund der Pandemie war die Vorbereitung sehr eingeschränkt und die Pre-Season fiel gänzlich aus. Nicht ideal für einen Rookie Quarterback, der jedes Training und jeden Snap braucht. So kam es, dass Love die komplette Rookie Saison inactive war und es nicht einmal geschafft hat, den Backup Job gegen Tim Boyle zu gewinnen – ein Redshirt Rookie-Year sozusagen.

All Eyes on Love

Embed from Getty Images

Aaron Rodgers hat sich erst spät für die Packers entschieden. So kam es, dass Jordan Love im gesamten Camp die 1st Team Reps nehmen durfte. Das ist wichtig für die Entwicklung eines jungen Quarterbacks. In der Pre-Season durfte er dann seine ersten Snaps auf NFL Niveau spielen. Man konnte sich ein solides, erstes Bild von Love machen. In Week 9 kam dann seine große Chance gegen die Chiefs. Sein erster Start war allerdings von Problemen gegen den ständigen Druck der Chiefs geprägt. Er konnte die Blitzes nur schwer antizipieren und hatte aufgrund dessen auch deutliche Probleme mit seiner Wurfgenauigkeit. Alles in allem ein durchwachsenes Debüt, in dem man aber auch sein vorhandenes Talent sehen konnte. Recht ähnlich lässt sich sein Auftritt gegen die Lions zusammenfassen. Hier muss man aber auch vorsichtig in der Bewertung sein, da er fast ausschließlich die Backups um sich herum hatte und auch das Spiel mehr Pre-Season Charakter hatte. Man kann festhalten, dass man trotz der wenigen Spielzeit immer noch kein aussagekräftiges Fazit zu Love ziehen kann.

Warum man ihn traden sollte.

Man kann es Jordan Love nicht verübeln, falls er sich neu orientieren und Spielpraxis suchen will. Ein nicht zufriedener Spieler kann für Unruhe in der Kabine sorgen. Der Markt ist noch da, auch wenn er in den letzten Wochen kleiner geworden ist, weil enorm viel Bewegung auf dem Quarterback-Markt war. Die Seahawks wären bspw. ein Team, das immer noch nach einen Quarterback sucht. GM John Schneider kommt bekanntlich aus dem Packers Front Office und hat noch gute Kontakte nach Green Bay bzw. zu Brian Gutekunst. Dazu kommt, dass die Quarterback Draft Class nicht gut ist und Love vermutlich sogar eine bessere Option, als die meisten Rookies ist. Jordan Love ist z. B. jünger, als Pitt Quarterback und projected 1st Round Pick Kenny Pickett und hat einen Start sowie 2 Jahre Lehrjahre hinter dem back to back MVP in seiner Vita stehen. Die Packers würden bei einem etwaigen Trade allerdings kaum die investierten Ressourcen in Form eines 1st und 4th Round Picks zurückbekommen. Viel mehr wird sein Value zwischen einem 3rd – 4th Round Pick beziffert. Gibt man ihn jetzt ab, kann man noch was einstreichen, bevor sein Value noch weiter sinkt. Während des Drafts entwickelt sich gern Mal eine gewisse Dynamik. Auch danach werden die Karten noch mal ganz neu gemischt und Love könnte bei anderen Teams plötzlich wieder ein Thema sein.

Warum er eine Zukunft in Green Bay haben könnte.

Die Packers sind gegenwärtig nicht gezwungen einen Trade vollziehen zu müssen. Das hat einen ganz einfachen Grund: Man spart dabei nahezu kein Geld ein und hat plötzlich keinen Backup Quarterback mehr. Gute Backup Quarterbacks in der NFL verdienen für gewöhnlich auch mehr, als Love aktuell. Darüber hinaus ist das Investment Love, bei einem Trade, ein Minusgeschäft. Den zuvor bezifferten 3rd-4th Round Pick bekommt man eventuell später auch als Compensatory Pick. Eine Verletzung Rodgers oder eine starke Pre-Season und sein Value könnte steigen bzw. sein Stern gar ganz aufgehen. Mit 23 Jahren und einem defacto Redshirt Rookie Year, ist Love immer noch am Anfang seiner Entwicklung. Eigentlich ist es völlig untypisch einen jungen Quarterback 4 Jahre sitzen zu lassen. In diesem Fall ist es nicht ausgeschlossen, dass Jordan Love in seinem 5. Jahr Nachfolger von Aaron Rodgers werden könnte. In diesem Szenario haben wir noch 2 Super Bowl Shots, bevor man mit einem dann 25-Jährigen Jordan Love in den Rebuild geht.

Ein Gedanke zu “Was wird eigentlich aus Jordan Love?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.