David Bakhtiari – eine Leidensgeschichte

Große Hoffnung durchströmte die Fans, als David Bakhtiari nach seinem Kreuzbandriss bei der Saisonvorbereitung gesichtet wurde. Doch dieser und jeder weitere aufkeimende Schimmer zerschlugen sich über die laufende Saison. Nun erzählte Bakhtiari, wie er die Saison erlebt hat.

Die Verletzung: Mehr als ein Kreuzbandriss

David Bakhtiari hatte keinen schönen Jahreswechsel von 2020 auf 2021. Im Training am letzten Tag des Jahres verletzte er sich am linken Knie. Die frühen Sorgen wurden bestätigt: Kreuzbandriss. In einem Interview mit Aaron Nagler (im Englischen nachzulesen bei CheeseheadTV.com) klärte er nun darüber auf, was der ursprüngliche Plan war und welche Rückschläge er immer wieder erlebte.

Was jedoch nicht kommuniziert wurde, waren weitere Verletzungen, die mit dem Kreuzbandriss einhergingen. Der Meniskus war angerissen. Am meisten wurde der Heilungsverlauf aber von einer kleinen Knorpelverletzung gestört, durch die immer wieder zu viel Flüssigkeit im Gelenk war.

Individuelles Training, Teamtraining, Kaderrückkehr

Zunächst stellte er klar, dass eine Rückkehr zum Saisonstart immer illusorisch war. So früh nach dem Kreuzbandriss zu spielen sei zwar theoretisch möglich gewesen, jedoch nur unter Schmerzen und mit einem Körper, der für die Verletzung kompensiert. Als Beispiel nennt er Adrian Peterson, der deshalb Hüftprobleme entwickelt habe, weil sein Körper die Bewegungsabläufe angepasst hatte, um das Knie zu entlasten.

Die Platzierung auf der PUP-Liste bedeutete, dass Bakhtiari frühstens nach sechs Wochen wieder zum Teamtraining stoßen durfte. Ein weiterer Zeitpunkt, der eigentlich nie als geplante Rückkehr auserkoren war. Was aber passierte, war der offizielle Trainingseinstieg. Und daraus folgend am 10. November die Aktivierung von der PUP-Liste, die vom NFL-Regelwerk vorgeschrieben war. Bei Nicht-Aktivierung hätte Bakhtiari in der laufenden Saison nicht mehr spielen dürfen.

Die Gelenksflüssigkeit als Trainingsbremse

In der Woche vor dem Seahawks-Spiel stand er als limitierter Trainingsteilnehmer auf der Verletztenliste – jedoch war es eine große Limitierung. Im Knie befand sich noch zu viel Flüssigkeit. 20-30ml bezeichnet er später als „Money Zone“, er selbst liege zu Normalzeiten bei 30-35ml. Zu diesem Zeitpunkt waren es jedoch 96ml Flüssigkeit, die seinen Bewegungsablauf einschränkten.

Um dieses Problem zu beheben, wurde die Flüssigkeit abgesaugt. Insgesamt gab es ca. 15 dieser Eingriffe – eine Zahl, die eigentlich deutlich zu hoch liegt. So viele Eingriffe sind nicht gesund, jedoch wollte er unbedingt wieder spielen, weshalb er sich trotzdem dazu entschied.

Folgeschäden treten auf – weitere Operationen notwendig

Nach diesem Eingriff in Woche 10 folgte außerdem ein erneuter Scan des Knies. Ergebnis: Weitere Schäden am Knorpel. Damit war der Plan endgültig durcheinandergebracht. „Wir wollen dich drei Jahre und nicht drei Spiel da draußen haben“, zitiert er Teamarzt Dr. Pat McKenzie. Ein Zustand, der Bakhtiari „angepisst hat“.

Doch auch die Zweitmeinung von Dr. Neal ElAttrache (Teamarzt von u.a. den LA Rams) sagte ihm, dass er so nicht Football spielen könne. Am 18. November fand eine weitere Arthroskopie (Kniegelenksspiegelung) statt. Wiederum wurden neue Verletzungen gefunden, die in einem Rutsch mit beseitigt wurden.

Weil er in der Folge aber immer noch Probleme hatte, kam es drei Wochen später zu einem weiteren Eingriff (jedoch keiner Operation, genauere Infos möchte er nicht geben). Danach ging es ihm dann deutlich besser. „Ich fühlte mich gut. Nicht wie ich selbst, aber gut“, beschreibt er seinen damaligen Zustand.

Der Push zurück aufs Feld

In Woche 18 kam in Bakhtiari dann das Gefühl auf, dass man ihn gerne nochmal auf dem Feld sehen wolle, bevor die Playoffs losgehen. Er beschreibt es als „Gemurmel im Gebäude“. Auf Nachfrage Naglers sagt er zwar, dass es weder Druck von den Entscheidungsträgern noch vom Arzt gab, jedoch sei ihm klar gewesen, dass man sich unsicher fühlte, ihn in den Playoffs einzusetzen, wenn man seinen Leistungszustand nicht einschätzen kann.

Und auch er selbst habe sich Druck gemacht. „Das war jetzt lange genug, lass uns einfach loslegen. Mein Knie wird schon mitmachen, wenn mein Kopf bereit ist“, erläutert er seine Gedanken zu diesem Zeitpunkt. Und so kam es dann zu dem Einsatz im letzten Spiel der Regular Season. 27 Snaps spielte David Bakhtiari – und zumindest als Zuschauer konnte man kaum Unterschiede erkennen. Das wirkte fast wie der alte Bakhtiari.

Doch erneut spielte die Gelenksflüssigkeit nicht mit. 88ml musste man in der Woche nach dem Spiel aus dem Knie entfernen. Offenbar war die erhoffte Reaktion des Knies nicht auf einem Level mit der Entscheidung seines Kopfes. Und so kam es dann, dass er bei der Playoff-Niederlage gegen die San Francisco 49ers wieder nur zuschauen konnte.

Prognose: Volle Genesung

Doch mit dem Saisonaus kommt Bakhtiari in seinen Erzählungen auch zu den positiven Neuigkeiten: Es ist eine volle Genesung zu erwarten. Sein Knie braucht dafür einfach nur noch mehr Zeit. Strukturell sei jedoch alles in Ordnung. Es ist also davon auszugehen, dass er in der kommenden Saison wieder voll dabei sein wird.

Er kann es nicht erwarten, wieder mit seinen Mitspielern auf dem Feld zu stehen – mit allen den Konsequenzen. Eine lange Saison sei zwar schmerzhaft, jedoch sei dieses „schmerzende und wunde“ Gefühl ertragbar durch die Kameradschaft, die im Team herrsche. „Alles ist scheiße, aber fuck it, wir sind hier zusammen, lasst uns das durchziehen!“

Autor: Nik Staiger (Twitter @Nik_Staiger)

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