History: Die dunklen Jahre nach Lombardi

Zwei dunkle Dekaden prägen die Geschichte der Green Bay Packers. Die erste Phase von 1945 bis 1958 haben wir im ersten Teil beleuchtet. Nun kommt die deutlich längere Phase. Zwischen 1969 und 1992 war Green and Gold chronisch erfolglos. Zwei Playoffteilnahmen in 25 Saisons waren definitiv zu wenig. Daher werfen wir nun einen Blick auf die dunklen Jahre nach Lombardi.

Ausgangspunkt: Rücktritt von Vince Lombardi

Wie schon vor der ersten dunklen Dekade war auch diesmal eine Meisterschaft der Ausgangspunkt für den Niedergang. Zum Zeitpunkt von Super Bowl II war die Mannschaft definitiv ein Team voller Haudegen. Viele Key-Player waren teils deutlich jenseits der 30, was sich bemerkbar machte. Der Großteil der Spieler verließ Green Bay bis 1969, nur wenige trugen nach 1970 noch das Trikot der Packers auf dem Feld.

Viel wichtiger war aber, dass Vince Lombardi als Headcoach zurücktrat. Teils wollte der große Trainer, der sein Privatleben bekanntlich dem Football opferte, kürzer treten, teils wollte er nicht wieder neuanfangen. Sein Nachfolger wurde mit Phil Bengtson. Dieser war seit 1959 Defensive Coordinator der Packers.

Zweimal Playoffs in 25 Jahren

Was folgte, waren zweieinhalb ganz lange Dekaden. In 25 Jahren sollten die Packers nur zweimal (1972, 1982) die Playoffs erreichen und nur sechs Spielzeiten mit einem positiven Rekord abschließen. Wirklich gut war dabei nur die Saison 1972 als die Packers die Spielzeit mit 10-4 abschlossen, sich dann aber den Redskins in Divisional Playoffs geschlagen geben mussten. Ansonsten war es bis zur Übernahme durch Mike Holmgren als Headcoach und Ron Wolf als GM eine recht trostlose Zeit.

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Kein Trainer mit echtem Format

Ein Hauptproblem war, das die Packers kaum Trainer von echtem Format hatten. Bengtson (1968-1970) war nicht in der Lage das offensive Gesicht der Packers zu waren. Weiterhin gelang ihm nicht der Umbruch. Sein Nachfolger, Dan Devine (1971-1974), konnte zwar einen Playoff-Einzug verbuchen. Dafür war die Entwicklung aber nicht gut, obwohl die Packers mit John Brockington und Willie Buchanon durchaus solide junge Spieler holten. Als Devine ans College zurückging, übernahm Bart Starr (1975-1983) den Job. Die ersten Jahre war er sogar GM in Personalunion. Doch Starr fehlte gerade am Anfang das Format, um beides zu bewerkstelligen. So blieben Starrs letzte Jahre die Besten.

Nachfolger von Starr wurde mit Forrest Gregg (1984-1987) ebenfalls ein Ex-Spieler. Der hatte zuvor mit den Bengals durchaus Erfolge vorzuweisen, doch auch mit ihm gelang kein Erfolg. Gregg blieb einer der blassesten Coaches der Packers-Geschichte und zur Saison 1988 von Lindy Infante abgelöst. Der wurde 1989 mit einem 10-6 Record sogar Coach of the Year, den Umschwung brachte aber auch er nicht.

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Keine gute Führung

„Woran hattet jelegen?“, würde der Rheinländer jetzt fragen. Das Problem ist wie schon in der Vor-Lombardi-Zeit sehr vielschichtig. Das Hauptproblem aber war, dass die Packers nicht gut geführt waren. Domenic Olejnicnak war von 1958-1982 Präsident der Packers und hatte sich zuvor als Bürgermeister von Green Bay verdient gemacht. Ihm gelang es nicht, die erfolgreichen Lombardi-Jahre fortzuführen. Er war auch nicht in der Lage oder nicht willens, den verdienten Granden der 1960er die Grenzen aufzuzeigen. Auch versäumte er es, nach Bengtson einen eigenen GM zu installieren.

Ähnliches lässt sich über Richter Robert Parins sagen. Der Nachfolger von Olejnicnak traute sich zwar, Starr und später auch Forrest Gregg vor die Tür zu setzen. Doch ihm fehlte es defacto an genügend Sachverstand, um eine Franchise auch footballtechnisch zu führen. Erst 1987 wurde wieder ein GM installiert, der sich nur um die Football Operations kümmerte. Dies war aber initiiert von Bob Harlan, der die Finanzen der Packers ganz gut im Griff hatte, aber ebenfalls zu wenig von Football bzw. den NFL-Mechanismen verstand. Doch Harlan war intelligent genug, dies zu verstehen und so erst Tom Braatz, später Ron Wolf als GM zu installieren.

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Tony Mandarich und Co. – die Draft Busts der Packers

Wie schon in den ersten dunklen Jahren, war auch das Drafting der Packers zumindest äußerst fragwürdig. Beispielhaft seien die Jahre 1972, 1981 und 1989 genannt. 1972 zogen die Packers Jerry Tagge an Position elf und ließen HoF-Runningback Franco Harris links liegen. 1981 zog man den maximal durchschnittlichen Spielmacher Rich Campbell Spielern wie Ronnie Lott oder Mike Singletary vor. Getoppt wurde dies wohl nur noch 1989 als man an Nummer zwei Tony Mandarich zog. Der Pick an sich war schon aufgrund von Mandarichs Äußerungen vor dem Draft („Green Bay ist ein Dorf“)  zum Scheitern verurteilt. Und angesichts von Spielern wie Barry Sanders, Derrick Thomas, Deion Sanders oder Steve Atwater die diesen Draft zu einem unglaublich Starken machten, mutet dieser Zug sehr befremdlich an.

Dabei hatten die Packers durchaus auch Erfolge zu verzeichnen. Willie Buchanon, Chester Marcol, James Lofton, Ezra Johnson oder Ron Hallstrom zeugen durchaus davon, dass die Packers in der Lage waren, durchaus gute Spieler zu verpflichten.

Und die Finanzen?

Im Gegensatz zu den 1950er Jahren nagten die Packers in den dunklen Jahren nicht am Hungertuch. Zum einen hielten die Cheeseheads, also die Bewohner Wisconsins, ihren Packers die Treue, so dass das Lambeau Field stets ausverkauft war. Zum anderen profitierten die Packers auch von der Expansion der NFL in den 1970er und 1980er Jahren. Ja, mit den großen Märkten konnte Green Bay nichthalten. Und ja, ab und an musste auch etwas gespart werden bzw. man konnte nicht mit den „dicken“ Verträgen mithalten. Aber insgesamt ging es den Packers deutlich besser als kurz nach dem Krieg.

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Drohen wieder dunkle Jahre?
Brandaktuell wird das Thema „dunkle Jahre“ just nach dem Ausscheiden aus der Playoffs dieses Jahres. Können die Packers einen Verlust von Aaron Rodgers abfangen? Oder würde eine Vertragsverlängerung von Rodgers, Adams und co. dafür sorgen, dass man finanziell so arg gebeutelt ist, dass man auf Kosten von zwei, drei möglicherweise erfolgreichen Jahren, ein langes dunkles Kapitel heraufziehen sieht? Um es kurz zu machen: vielleicht, aber eher unwahrscheinlich.

Finanziell ist die Antwort einfach: die Packers stehen so gut im Markt, dass man sich keine Sorgen machen muss. Die Salary Cap tut ihr übrigens dazu: sicherlich werden die Packers zu knabbern haben, sollte es viel Deadcap geben, aber das gilt für jede Franchise. Von daher muss man sich da wohl kaum Sorgen machen.

Sportlich ist die Frage etwas anderes und lässt sich meines Erachtens nicht zu 100% beantworten. Ja, sollte die aktuelle Mannschaft wirklich auseinander brechen und sowohl Rodgers wie auch Adams, die Smiths und wie sie alle heißen, Green Bay verlassen, ist es ein monströser Aderlass. Und ja, es wird mindestens ein, vielleicht auch zwei Down-Jahre geben. Aber dass die Packers nochmals 10 oder 25 Jahre brauchen, um ein ernstes Wort mitzureden, wird meines Erachtens nicht passieren. Dafür sind die Grundlagen mit einem guten GM, einem immer noch jungen Trainer und auch einem gesunden Kapital an guten, jungen Spielern zu gut.

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