Barry´s Zone Coverage verantwortlich für die Niederlage?

Niederlage zum Auftakt bei den Vikings. Hauptverantwortlich auf Seiten der Lilanen war (mal wieder) Justin Jefferson, der die Packers fast im Alleingang schlug. Zwei Touchdowns, neun Receptions für 184 Yards und damit 20,4 Yards per Catch. Viel zu viel! In die Kritik geriet u.a. Defensive Coordinator Joe Barry. Die Coverage der Packers wurde einige mal entblößt und viele fragten sich, warum die Packers so viel Zone Coverage spielten, statt ihren besten Cornerback Jaire Alexander häufiger gegen Jefferson eins zu eins zu stellen.

Ist die Zone Coverage also Schuld an der Niederlage? Wir schauen uns zwei Beispiele an und gehen auf die Grundprinzipien der Zone Defense ein.

Die Übergabe in Zone Defense

Hier spielen die Packers eine Cover 4. Das heißt mit 4 tiefen Zonen bleiben 3 underneath Verteidiger bei standardmäßig 4 Pass Rushern. Savage, Amos, Alexander und Stokes sind die vier tiefen Spieler. Douglas als Nickelcorner spielt eine Curl/Flat Zone (unterer Bildrand), Quay Walker spielt die Mitte des Feldes und Campbell eine Curl/Flat Zone zur linken Seite (aus Defense Sicht).

Justin Jefferson ist hier der markierte Spieler. Douglas übernimmt zunächst seine Coverage. Eine der Schwierigkeiten einer Zone Coverage ist die Übergabe eines Spielers, wenn dieser die eigene Zone verlässt und in eine andere Zone läuft. Douglas kann Jefferson nicht auf der gesamten Route covern, da er seine Zone verteidigen muss. Das ist auch in diesem Spielzug das Problem.

Douglas steht hier auf den Hashes auf Höhe der 35-Yard Line. Die Übergabe funktioniert nicht und obwohl Savage und Amos tief niemanden sonst zu verteidigen haben, schafft es Jefferson den beiden davon zu laufen. Der übrige Rest ist gedeckt und kein weiterer Vikingsspieler ist offen. Cousins erkauft sich in diesem Spielzug mit einem Schritt in die Pocket zusätzlich Zeit. Savage und Amos sind sich uneins wer Jefferson übernimmt und Savage hat zudem keine gute Position. Er steht mit dem Rücken zum Quarterback gedreht, sieht also nicht was passiert und ist hier wohl auch verantwortlich für das Big Play.

Tiefe der Linebacker

Um Zone Coverage erfolgreich zu spielen bedarf es einer guten Abstimmung zwischen den Spielern auf dem Feld. Insbesondere die Linebacker müssen unglaublich intelligent spielen, Spielzüge antizipieren und athletisch sein, um viel Raum abdecken zu können. Das zeigt das folgende Beispiel.

Die Packers spielen in diesem Fall eine Cover 3. Savage kommt als zusätzlicher Defender nach vorne in die Box. Stokes und Alexander spielen zusammen mit Amos die tiefen Zonen. Savage, Campbell, Walker und Douglas sind hier also die underneath Verteidiger. Der Receiver am oberen Bildrand kommt in Motion und stellt sich im Slot auf.

Douglas verfolgt den Receiver und verlässt mutmaßlich seine eigentliche Zone (gelber Pfeil Bildmitte). Die Übergabe der Receiver funktioniert auch hier wieder nicht. Stattdessen läuft Jefferson ziemlich ungedeckt durch die Packers Secondary (grüne Linie). Weder die Linebacker noch der tief stehende Amos reagieren auf ihn.

Das Problem hier in diesem Play ist die fehlende Tiefe der Linebacker. Um die Routen über die Mitte zu verteidigen, müssen die Linebacker tief stehen. Kritisch ist der lila markierte Bereich. Je länger der Pass Rush keinen Druck erzeugen kann und je länger das Play damit dauert, desto größer die Gefahr, dass die Linebacker überspielt werden. Das hat auch Co-Kommentator Greg Olsen im Spiel immer wieder angemerkt. Zudem ist auch die Rolle von Amos hier mindestens fragwürdig. Er bleibt tief stehen und lässt das Play geschehen, obwohl er von seiner Position alles im Blick hat. Auch die drei verbleibenden underneath Verteidiger könnten hier adjusten. Sie covern in dem Fall viel grüne Wiese.

Zone Coverage nur Nachteile?

Nein! Die Vorteile der Zone Coverage sind u.a., dass die Verteidiger das Spiel vor sich haben. Somit können sie die Routen der Receiver besser sehen und gegebenenfalls Routen auch unterlaufen und den Pass abfangen. Gerade in Cover 3 oder Cover 2 Strukturen hat man außerdem mehr Defender in der Box, um den Run besser zu verteidigen. Das hat in der ersten Halbzeit gegen die Vikings auch gut funktioniert (EPA per Play -0,032).

Dazu kann es für den Quarterback schwieriger sein, die Defense zu lesen. Man kann mehr „verstecken“ und den Quarterback verwirren und so in Fehler zwingen. Die Spieler sind außerdem insgesamt etwas flexibler und können selbstständig ihre Zonen anpassen, falls sie im Laufe des Spielzuges nur grüne Wiese covern (siehe letztes Bild).

Klar ist aber auch, Zone Coverage ist prinzipiell für den Verteidiger einfacher zu spielen. Eine enge Man-to-Man-Coverage ist für einen Verteidiger viel schwierig zu spielen (und über den gesamten Spielzug aufrecht zu erhalten) bzw. erfordert grundsätzlich ein deutlich höheres Spielerniveau. Die Zuteilung und Absprachen sind dafür in Man Coverage Konzept natürlich deutlich einfacher.

Joe Barry zu Recht in der Kritik?

Nach Woche 1 sofort alles in Frage zu stellen ist sicherlich nicht richtig und schreit nach Overreaction. Trotz des negativen Ausgangs war nämlich nicht alles schlecht und es gibt Dinge in der Defense, auf die aufgebaut werden kann.

Der Pass Rush z.B. wusste zu überzeugen. Zwar konnten die Packers nur zwei Sacks erzielen, schafften es aber Kirk Cousins immer wieder unter Druck zu setzen. 20 Pressures konnte die Packers Defense erzielen. Cousins ist in diesem Spiel mit dem Druck unglaublich gut umgegangen und hat häufig im letzten Moment noch einen Pass angebracht und bewusst auch Hits eingesteckt. Bester Pass Rusher der Packers übrigens Kenny Clark!

Eine Findungsphase sollten wir auch der Defense insgesamt noch zugestehen. Viele der Starter haben in der Preseason nicht gespielt. Eine zentrale Rolle haben die Inside Linebacker. Hier spielt mit Quay Walker ein Rookie, der noch Dinge dazulernen kann und muss. Insbesondere die Absprache mit Campbell hat hier noch nicht gut funktioniert und die beiden standen sich häufig auf den Füßen. Auch Jaire Alexander ist für diese Defense quasi ein neuer Spieler. Letztes Jahr hat er lediglich 4 Spiele gemacht. Das Ganze muss als Einheit zusammenwachsen und sich einfinden.

Auch wenn sich ein Jaire Alexander nach dem Spiel hinstellt und sagt, dass er die Herangshensweise von Barry nicht verstanden hat, ist auch Man Coverage nicht der einzige Weg zum Ziel. Die richtige Mischung zwischen Zone- und Man-Konzepten ist letztendlich der Schlüssel zum Erfolg.

Diskussionen über Joe Barry sind aus meiner Sicht in der jetzigen Situation ebenso unangebracht, wie Diskussionen über die Ausrichtung der Defense insgesamt. Wir sind früh in der Saison und das Ganze darf und kann nicht an diesem einen Spiel festgemacht werden!

Takeaways

Gegen die Vikings wollte man es mutmaßlich auch verhindern, von Cook überlaufen zu werden. In Halbzeit eins hat das – auch dank der Zone Defense – funktioniert. Leider war man dadurch aber durch die Luft unglaublich anfällig. Schlechte Absprachen und auch individuell falsche Entscheidungen und schlechte Leistungen einzelner Spieler waren Ursache dafür. Das Safety Duo ist dabei als erstes zu nennen. Beide waren auch nach PFF-Grades die schwächsten Spieler der gesamten Defense und waren auch in den hier gezeigten Beispielen zu kritisieren. Das muss besser werden, keine Frage.

Hier ist der Defensive Coordinator natürlich auch in der Pflicht und muss sich selbst hinterfragen. Können die Spieler die Konzepte auf dem Platz wie gewünscht umsetzen, oder müssen sich die Konzepte mehr den Spielern anpassen? Wie kann Barry beispielsweise dem Safetey Duo mit Play Calls und Coaching entgegenkommen? Das kann letztendlich auch darin resultieren, dass man zukünftig auch wieder mehr Man Coverage spielt.

Gegen die wacklige OLine der Bears könnte es am kommenden Sonntag auch schon wieder ganz anders aussehen. Neben der OLine haben die Bears auch im Receiver Corps keinen Justin Jefferson rumlaufen. Auch das wird die Aufgabe erheblich vereinfachen und die Defense kann das Spiel gegen die Bears möglicherweise nutzen, um das schwache Spiel gegen die Vikings schnell hinter sich zu lassen.

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